Thomas Lang

Unter Paaren

Roman
Cover: Unter Paaren
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406556104
Gebunden, 206 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Zwei Tage und eine Nacht im Mai in einem aufwendig renovierten Haus am Waldrand: Per und seine Freundin Rafa, erfolgreich und mittleren Alters - Per sucht allerdings gerade eine neue Stelle, und Rafa wohnt nicht bei ihm -, erwarten den Besuch von Pascal, Pers bestem Freund aus früheren Zeiten, und seiner Begleitung, der deutlich jüngeren Spanierin Inita. Es gab einmal eine Situation, in der sich Rafa zwischen Pascal und Per entscheiden musste und Per gewählt hat. Allerdings erfuhr Per nie, was sich wirklich zwischen Rafa und Pascal abgespielt hat. Jetzt bricht alles wieder auf, treten alte Spannungen zutage und kommen neue hinzu, etwa Pascals Angebote an Rafa und Pers Lust auf die kühle, sehr anziehende Inita. Die zwei Tage dort im Haus werden alles auf den Kopf stellen, ein Junge, der sich immer in der Nähe herumtreibt, wird von sich reden machen und Inita wird verschwinden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2007

Form frisst Stoff. Oder besser: Ausgangslage frisst Geschichte. Das jedenfalls attestiert Christoph Schröder nach eingehender Untersuchung Thomas Langs Roman. Die "geistige Armut", die Flachheit der vier Charaktere aus der Agenturwelt, die sich in einem abgelegenen Landhaus treffen, sei wohl Langs Vorgabe gewesen. Dumm nur, dass es dem Autor nicht gelinge, die Stumpfheit, die diese Figuren empfinden, in einen Text umzusetzen, ohne diesen ebenfalls "kühl und teilnahmslos" und irgendwie langweilig zu machen. Inhalt sei hier gleich Form, das sei der Fluch dieses Romans.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2007

Rezensent Paul Jandl möchte ein "Missverständnis" ausräumen, was Thomas Lang im Allgemeinen und diesen Roman im Besonderen angeht. In "Unter Paaren" gehe es keineswegs in erster Linie um die Entlarvung lächerlicher Lebensweisen einer Generation von Erfolgreichen, genauso wenig wie es im letzten Roman nur um das Vater-Sohn-Verhältnis gegangen sei. Hingegen gelinge es Thomas Lang von Roman zu Roman besser, zwischenmenschliche Handlungen als "Choreografie" darzustellen, d.h. aus ihnen Literatur zu generieren. Wenn im Roman zwei Pärchen an einem Wochenende in ihrem Gartenlaubenleben dargestellt würden, geschehe das beispielsweise immer unter einem Kapitelmotto von Robert Musil, Janet Jackson, oder auch Lessing und vorzugsweise Goethes "Wahlverwandtschaften". Thomas Langs "subversive Ironie" ereignet sich für den Rezensenten genau dort, wo die Sprache dieser Zitate mit der Sprache der beschriebenen Warenwelt von "Bügel-BH" und "Comfortgriffrand" sanft überlappe. Die Welt des Romans sei weit mehr als die Oberfläche der erzählten Geschichte eine "synkretistisch" geformte Kunstwelt aus Metaebenen. Immer wieder betont der Rezensent die "fulminante Künstlichkeit" des Romans, in der die Natur wie bei einem David Lynch Film "blitzsauber", allerdings meist tot ihr Unwesen treibe. Apropos Natur, Sex gebe es keinen!

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.02.2007

Nicht Sex, nein, das Präsens sei das Problem in diesem Roman, hat Rezensentin Meike Fessmann herausgefunden. Anders gesagt, das, was Thomas Lang in seinem "Thesenroman" vielleicht sagen möchte, könne er wegen "handwerklicher" Probleme gar nicht sagen. So das strenge Urteil der Rezensentin, die auch auf die beiden anderen Präsens-Romane des Autors verweist als einer möglichen ästhetischen Sackgasse. So könnten nur Dialoge Auskunft über die Figuren geben, in diesem Fall ein vermeintlich generationstypisches, neureiches und natürlich gelangweiltes Pärchen um die vierzig, das durch ein Treffen mit einem Freund aus alten Zeiten in seiner seelischen Tristesse gespiegelt werde. Thomas Lang, so die Rezensentin, könne rein technisch nicht anders, als Lifestyle-Bilder wie aus Werbebroschüren aneinander zu reihen, und "verstecke" sich damit letztlich hinter den Aussagen seiner Figuren. Und wenn die Rezensentin sein implizites "Verdikt" über das Pärchen samt Generation richtig erahne, dann falle auch der Roman darunter: Unentschiedenheit.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2007

Nein, ein Roman ist das nicht, was auch immer der Verlag behauptet - darauf beharrt der Rezensent Tilmann Lahme. Es ist vielmehr eine Erzählung, und gemocht hat Lahme sie nicht. Die Botschaft versteht er wohl, allein es fehlt die "Sogwirkung", die das "hohle Gequatsche", das das Buch durchzieht, erträglich macht. Als Generationsporträt ist das ganze gedacht, genauer gesagt: als ein alles andere als schmeichelhaftes Porträt der gerade um die Vierzigjährigen. Die Figurenkonstellation: Raffa, die einst von Per und Pascal begehrt wurde, hat sich für den solideren Per entschieden. Nun kommt Pascal, mit Freundin Inita, zu Besuch. Inita, die da noch die klügsten Sachen sagt, verschwindet bald (der Rezensent scheint es mehr zu bedauern als die Figuren im Buch). Der Rest ist dann Gerede und Tiersymbolik. Ein Penis wird weiß angepinselt, aber Sex hat niemand, außer den Feuerwanzen. Es geht für Pascal peinlich aus und das Happy-End täuscht. Den Rezensenten hat es offenkundig kalt gelassen.
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