Hans-Peter Kunisch

Die Verlängerung des Markts in den Abend hinein

Ein Roman in Buden
Cover: Die Verlängerung des Markts in den Abend hinein
Blumenbar Verlag, München 2006
ISBN 9783936738216
Gebunden, 258 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Die Figuren in Hans-Peter Kunischs Debüt halten sich vor allem im Freien auf, um einen Marktplatz herum. Der Platz liegt genau im Zentrum der Stadt. Doch die Hauptwege führen an ihm vorbei. Er wirkt, mitten auf dem Markt, wie ein unbesetztes Gebiet. Ein Roman entwickelt sich. Ein Roman in Buden. Da ist Pjotr, ein Fotograf, der am liebsten Richtung Nordosten reist. Maria, die keine Aufenthaltsgenehmigung hat und an die Stadt gefesselt ist. Oder Waldau, der sich oft ins hügelige Umland zum Wandern zurückzieht. Joe, einer der Händler, muss vor seinen Gläubigern fliehen. Aline schickt Briefe von der Küste. Allesamt sind sie so etwas wie unabhängige Glückssucher. Und wohin es sie auch verschlägt, sie kehren immer wieder an den Platz zurück. Was anfangs beinahe paradiesisch wirkt, erfährt bald deutliche Wendungen ins Dunkle. Irgendwann ereignet sich ein Mord. Beobachtet wird das Geschehen von zwei Denkern, dem Traurigen und dem Lustigen, die in luftigen Höhen über dem Platz ihre Runden drehen. Aber sie sehen nicht alles, und philosophisch gesehen haben sie erstaunlich wenig zu bieten. Die heimliche Intellektuelle des Romans ist Rosa - eine Kuh, die gleich zu Beginn dieser Geschichte über Kunst sinniert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.01.2007

Der Münchner Virtualienmarkt sei wahrscheinlich das Vorbild für den Handlungsort des Romans, vermutet Rezensent Christoph Bartmann. Handlung wiederum gebe es eigentlich kaum trotz vieler "sorgsam" beschriebener Romanfiguren, eher "ruhige" Bilder, Impressionen mit aphoristischer Begleitung durch einen im Hintergrund bleibenden Ich-Erzähler. Der Rezensent fühlt sich an Ernst Jüngers magischen Realismus erinnert oder auch an "Imaginationen" bei Botho Strauss. Solche "stehende" Prosa könne allerdings leicht "preziös" wirken, und irgendwann reichten einem als Leser die "exotischen" Gewürze des Markttreibens, das im Gang von Bude zu Bude beschrieben werde. Eine größere Abschweifung vom Markt ins Wallis zu ringkämpfenden Kühen hat dem Rezensenten dagegen gut gefallen, auch wenn er nur eine kurze Begründung für diesen zweiten Ort des Romans finden konnte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.12.2006

Rezensentin Ilma Rakusa ist ausgesprochen beeindruckt von diesem Romandebüt. Allein schon dessen Ton lässt aus ihrer Sicht jeden "herkömmlichen Realismus" weit hinter sich. Wundersame Geschichte sieht sie im Verlauf ihrer Lektüre ineinander greifen und sich in Mikrogeschichten verzweigen. Sie spielen Rakusa zufolge in Mostar, Kairo oder im Wallis, handeln aber doch von so etwas wie der Unbestimmbarkeit des globalen Marktes, seiner Versprechen und der Menschen, die von und auf ihm leben. Jäh sieht sie in Hans-Peter Kunischs Beschreibungen Unschärfen mit Scharfeinstellungen wechseln. Insgesamt wächst sich die Schilderung von Menschen, Orten und Situationen für sie zu einem kleinen Welttheater aus, auf dem die Antihelden dieses Autors- "von keiner New Economy angekränkelt", immer auf der Suche nach "prallem Leben" und "unbefristeter Freiheit" sind.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.09.2006

Auch wenn der Rezensent Jörg Sundermeier die Lektüre manchmal ein bisschen mühevoll fand, gefällt ihm diese subtile Beobachtung einer Szenerie, die Hans-Peter Kunisch da geschrieben hat. Dass das Buch an einigen Stellen holpert, erklärt sich der Rezensent mit Schlampigkeiten im Lektorat und dem besonderen sprachlichen Stil des Autoren. Seine "feine, an der Romantik geschulte Sprache" ist bisweilen etwas kitschig, symbolträchtig und damit für den Rezensenten etwas gewöhnungsbedürftig, "schlägt aber bald in ihren Bann". Sundermeier gefällt, dass Kunisch dem Leser keine Moral von der Geschichte aufdrängt. Auch, dass der Roman kein wirkliches Thema hat, ist für Sundermeier bei diesem Buch eher eine Stärke.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2006

Malte Herwigs Begeisterung über Hans-Peter Kunischs Romanerstling hält sich doch sehr in Grenzen. Er bescheinigt dem Autor immerhin, Schluss zu machen mit den Klischees, die über Kühe und Rinder in der abendländischen Literatur grassieren. Schließlich erweisen sich Kuh Rosa und ihre Freundin Vicky, an deren Überlegungen der Autor den Leser Anteil nehmen lässt, als gebildete Kunstliebhaberinnen. Herwig spricht in diesem Zusammenhang von der Befreiung der Kuh aus "profaner Utilität" und kommt auf das eigentliche Thema des Buchs zu sprechen, den Markt. Und das scheint ihm Kunisch nicht überzeugend abgehandelt zu haben. Vor allem krankt das Werk nach Ansicht Herwigs unter seiner "verkrampften, stolpernden und ständig sich selbst hinterfragenden Bedeutungshuberei". Dazu kommen stilistische Mängel, die Herwig nicht verschweigen will.
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