Hans Jonas

Hans Jonas: Erinnerungen

Cover: Hans Jonas: Erinnerungen
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783458171560
Gebunden, 495 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Nach Gesprächen und mit einem Vorwort von Rachel Salamander und einem Geleitwort von Lore Jonas. Herausgegeben von Christian Wiese. Hans Jonas gehörte zu jenen Gelehrten, die ihre Zuhörer unfehlbar in Bann schlagen. Sein Hauptthema war der kritische Zustand dieser Welt mit ihren düsteren Zukunftsperspektiven. In Deutschland wurde er zuerst durch das grundlegende Werk über die Gnosis bekannt. Später hat er sich jenen Rätseln gewidmet, die das Organische, die biologische Organisiertheit des Lebendigen, dem Philosophen aufgeben. Seit Beginn der siebziger Jahre verlegte sich der Schwerpunkt seines Denkens auf die ethischen Probleme der modernen Technik, einschließlich der Medizin, und auf die daraus dem Menschen erwachsende Verantwortung. Rachel Salamander hat über Jahre hinweg zahlreiche Gespräche mit Hans Jonas geführt, in denen er aus seinem Leben erzählte. Auf der Grundlage jener Tonbandaufzeichnungen entstanden diese Erinnerungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.05.2003

Als "Stück deutsch-jüdischer Alltagsgeschichte" und "Kapitel gelebter Philosophie" würdigt Rezensent Micha Brumlik die zum hundertsten Geburtstag erschienenen Erinnerungen des Philosophen Hans Jonas, eine von Christian Wiese "sorgfältig kommentierte" Verschriftung von autobiografischen Gesprächen, die Rachel Salamander in den neunziger Jahren mit Jonas geführt hatte. Wie Brumlik ausführt, erzählt Jonas von seiner jüdischen Herkunft, der Mitgliedschaft bei zionistischen Vereinen, dem Studium bei Heidegger und der wechselhaften Freundschaft mit Hannah Arendt ebenso wie von seinen Reisen im Nachkriegsdeutschland, den akademischen Tätigkeiten in Kanada und den USA und der späten Anerkennung in Deutschland. Dabei finden sich neben "indezentem Klatsch" auch "bewegende menschliche Szenen", bemerkt Brumlik, etwa wenn Jonas haarklein schildere, wie Heidegger in seiner Sprechstunde vor Hannah Arendt auf die Knie gesunken sei. Alles in allem zeugen die "Erinnerungen" nach Ansicht Brumliks vom "gelungenen Leben" eines Philosophen, "der das Glück hatte, der Lebensbejahung treu bleiben zu dürfen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2003

"Stilistische Brillanz und komplizierte Gedanken sucht man in dem Buch vergebens", meint Rezensent Alexander Kissler. Die mündliche Gesprächsform sei es jedoch, die es zu einer kurzweiligen Lektüre mache. Zudem, so Kissler, ist Jonas' Forderung nach einer "Ethik der Furcht" angesichts einer Wissenschaft, die droht, in die "Substanz des Menschen" einzugreifen, heute "brennend aktuell". Das Buch ist die Quintessenz eines langen Gespräches, welches Rachel Salamander im September 1989 mit Hans Jonas über sein Leben führte. Jonas, einem Schüler Heideggers, wird dabei von Kissler eine "herzliche Offenheit sich selbst und anderen gegenüber" bescheinigt, wenn er etwa den Zionismus selbstkritisch die einzige Ideologie nennt, der er verfallen sei, oder eine unverhohlene Befriedigung seiner Rachegelüste beschreibt, als er das im Krieg zerstörte Deutschland 1945 wiedersieht, das er 1933 direkt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlassen musste. Eindrücklich beschreibt Jonas auch seine Zeit in Palästina von 1939-1945, so der Rezensent. Am Ende seines Lebens hatte Jonas jedoch seinen Frieden mit den Deutschen gemacht, so veröffentlichte er als Siebzigjähriger erstmals wieder in deutscher Sprache. Aus dem Spötter, der einst die "Watte guter Gesinnung und untadeliger Absicht" aufs Korn nahm, so Kissler, war ein hoffnungsfroher Skeptiker geworden, der die Zuversicht hatte, dass "eine neue Solidarität des Ganzen der Menschheit über uns dämmert".

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