Hartmut von Hentig

Mein Leben - bedacht und bejaht

Band 2: Schule, Polis, Gartenhaus
Cover: Mein Leben - bedacht und bejaht
Carl Hanser Verlag, München 2007
ISBN 9783446209404
Gebunden, 665 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Aus persönlicher Erinnerung wird Zeitgeschichte: 1953 kehrt Hartmut von Hentig aus den USA in das von Wirtschaftswunder und Restauration geprägte Deutschland zurück. Am Internat Birklehof entdeckt er die Lust und Not des Erziehens und entwickelt eigene, neue Vorstellungen von Schule. Seine Beiträge zu den öffentlichen Debatten über brennende pädagogische Fragen, aber auch über die innere Verfasstheit des Landes machen ihn bekannt. Bis heute mischt sich der Emeritus streitbar in die öffentlichen Angelegenheiten ein, geachtet von und befreundet mit Golo Mann, Carl Friedrich von Weizsäcker, Marion Gräfin Dönhoff oder Inge Aicher-Scholl.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2008

Für Maria Frise gehören die positiv bilanzierenden zweibändigen Lebenserinnerungen Hartmut von Hentigs zu den "lebendigsten Zeugnissen der Zeitgeschichte". Was der Autor an persönlichen Erfahrungen und Bekenntnissen hier "mitreißend" erzählt, erscheint ihr zugleich als Familiengeschichte und "Chronik der Bundesrepublik". Respektvoll und beinahe ungläubig zählt Frise die vielen Ämter und Aktivitäten des Autors mit und rekapituliert seine pädagogischen Ziele und die Kämpfe um Hentigs Projekt der Laborschule. Dass ihr manches dabei wie eine Gegendarstellung Hentigs zu den Veröffentlichen seiner Gegner erscheint, empfindet sie als "mühsam", den Wert der Lektüre jedoch kann das für sie nicht schmälern.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.02.2008

Micha Brumlik hat mit großem Interesse die zweibändigen Memoiren des Erziehungswissenschaftlers Hartmut von Hentig gelesen und erkennt hier einen Protagonisten, der als Mitglied einer adeligen Elite die frühen Jahre der Bundesrepublik begleitet und mitgeprägt hat. Aus den Lebenserinnerungen spricht eine gewisse stoische Grundhaltung gegenüber den Wechselfällen des Lebens und vor allem "Standesbewusstsein", stellt der Rezensent fest, der besonders den ersten Band, in dem sich der Autor nach Vorbild eines Aristoteles oder Rousseau einer existentiellen Selbstbefragung preisgibt, durchaus gern gelesen hat. Wenn die Perspektive im zweiten Band ausgeweitet wird, die Bildungsreform der Bundesrepublik ins Auge gefasst oder Begegnungen mit prominenten Bekannten rekapituliert werden, nimmt das Lektürevergnügen allerdings etwas ab, wie der Rezensent zugibt. Brumlik fällt auf, dass der Autor die NS-Vergangenheit so manches Kollegen nicht gerade überzeugend kleinzureden versucht und dass er über die Entwicklung der Erziehungswissenschaft gar nichts schreibt. Berührend fand der Rezensent den letzten Teil der Lebenserinnerungen, in dem Hentig nicht nur sehr aufrichtig über die Fatalitäten des Alters schreibt, sondern auch über das Zusammenleben mit seinem Lebensgefährten, den Brumlik hier allerdings nicht immer mit der angemessenen Diskretion beschrieben findet, wie er meint.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.02.2008

Voll des Lobes ist Rezensent Reinhardt Kahl für Band zwei von Hartmut von Hentigs Memoiren, der seinen Informationen zufolge in den Sechziger Jahren einsetzt und ihm interessanten Denkstoff zum Thema Bildung der Nach-68er-Zeit zu bieten hatte. Besonders von Hentigs unideologischer Ideenreichtum treibt den Rezensenten immer wieder zu Repektbekundungen für diesen autodidaktischen Pädagogen, der sich seine höchsteigene Theorie und Praxis an der real existierenden Wirklichkeit entlang entwickelt hat.