Hans Joas

Die Macht des Heiligen

Eine Alternative zur Geschichte von der Entzauberung
Cover: Die Macht des Heiligen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518587034
Gebunden, 527 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

"Entzauberung" ist ein Schlüsselbegriff im Selbstverständnis der Moderne. Doch worum handelt es sich dabei eigentlich? Was genau meinte Max Weber damit? Und sind seine kanonisch gewordenen Vorstellungen überhaupt haltbar beziehungsweise: Sind sie alternativlos? Die Macht des Heiligen ist der Versuch, "Entzauberung" zu entzaubern. Dazu widmet sich Hans Joas zunächst exemplarischen Fällen der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Religion seit dem 18. Jahrhundert. In direkter Auseinandersetzung mit Weber entfaltet er sodann den Grundriss einer Theorie, die dem machtstützenden Potenzial von Religion ebenso gerecht werden kann wie dem machtkritischen. An die Stelle des Geschichtsbilds vom unaufhaltsam fortschreitenden Prozess der Entzauberung tritt die Konzeption eines Spannungsfelds zwischen Dynamiken der Sakralisierung, ihrer reflexiven Brechung und den Gefahren ihrer Aneignung in Prozessen der Machtbildung. Das beinhaltet Zumutungen - für Gläubige ebenso wie für säkulare Geister.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.12.2017

Dirk Pilz hält Hans Joas für einen der bedeutendsten deutschsprachigen Denker der Gegenwart. Wenn Joas den amerikanischen Pragmatismus und seine Aspekte zu einer umfassenden Theorie der Moderne zusammenfasst, staunt Pilz, wie immer bei Joas, über die Differenzierungsfähigkeit des Autors und seine Kunst, keine vorgefertigten Begriffe zu benutzen. Dass die Welt nur durch unsere Wahrnehmung, Erfahrungen und Erkenntnisse existiert kann ihm Joas mit Bezug auf Max Weber und Ernst Troeltsch sowie auf Schlüsselbegriffe der Moderne gut lesbar vermitteln.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.10.2017

Rezensent Thomas Assheuer hat mit diesem "Opus magnum" des Soziologen Hans Joas eine ebenso gewaltige wie respektable "Kampfansage" an die Soziologie gelesen. Denn der Autor widerlegt ihm hier die These vom Ende der Religion, greift in erster Linie natürlich Max Webers Theorie von der Entzauberung der Welt an, aber betrachtet auch Anschauungen, begonnen bei David Humes "Naturgeschichte der Religion" bis hin zu William James und Emile Durkheim, erzählt der Kritiker. Gern hätte Assheuer zwar mehr über das Gewaltpotenzial monotheistischer Religionen oder ästhetisches Transzendenzerleben erfahren, auch Rene Girard und Emmanuel Levinas vermisst der Rezensent in der Studie. Nichtsdestotrotz kann er dieses ihm einen neuen Blick auf Religion und Moderne eröffnende Werk auch religionssoziologisch unkundigen Lesern empfehlen.