Ein Normopath ist stets normal und angepasst, sein Verhalten überkorrekt und überkonform. Die Zwanghaftigkeit, mit der er den Erwartungen entspricht, verrät indes, dass er ein falsches, ein unechtes Leben führt. Krank ist nicht nur er, sondern vor allem die Gesellschaft, in der er lebt und deren Anpassungsdruck er sich unterwirft - bis er die Gelegenheit gekommen sieht, seine aufgestaute Wut an noch Schwächeren oder am "System" abzureagieren.Der Hallener Psychoanalytiker und Psychiater Hans-Joachim Maaz ist bekannt für seine Analysen kollektiver Befindlichkeiten und gesellschaftlicher Zustände - vom Gefühlsstau, einem Psychogramm der DDR, bis zur narzisstischen Gesellschaft, einer Psycho-Analyse unserer Promi- und Leistungsgesellschaft. In seinem neuen Buch nimmt er Phänomene wie Pegida und AfD, den zunehmenden Hass auf Ausländer, aber auch die Selbstgerechtigkeit der politischen Elite zum Anlass, ein konturenscharfes Bild unseres falschen Lebens zu zeichnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.04.2017
Christian Eger lernt beim Psychiater Hans-Joachim Maaz, die Ahnung, durchaus auch falsch zu leben, in Begriffe zu fassen, auf dass er sich selbst korrigieren kann. Trotz seines Untertitels ist das Buch laut Rezensent durchaus für Laien geeignet, gut les- und nachvollziehbar. Wenn der Autor analytisch auf die Störungen des Selbst, den Zunder der "normopathischen" Gesellschaft, blickt und für eine sozialorientierte Beziehungskultur eintritt, scheint das Eger hörenswert. Ebenso der kritische Blick des Autors auf Merkels Willkommenskultur oder die eigene Selbstentfremdung, die Maaz laut Rezensent hart, aber anregend und mit allem Ernst angeht.
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