Jacob und Wilhelm Grimm, 1785 beziehungsweise 1786 in Hanau geboren, waren zeit ihres Lebens in einer Arbeits-, Forschungs- und Lebensgemeinschaft verbunden. Sie studierten gemeinsam, wurden beide Professoren in Göttingen und als Mitglieder der "Göttinger Sieben" 1837 aus ihrem Lehramt entlassen. Später wurden beide Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin; Jacob engagierte sich 1848 als Abgeordneter im Paulskirchenparlament. Sie verfassten Werke zur Geschichte und Grammatik der deutschen Sprache und begründeten das "Deutsche Wörterbuch". Berühmt wurden die Brüder durch ihre "Kinder- und Hausmärchen", die rasch einen Platz in der Weltliteratur eroberten und bis heute behalten haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2005
Diese Biografie war lange überfällig, meint ein zufriedener Hans-Albrecht Koch. Warum? Weil die Forschung zu den berühmten Germanisten und Brüdern in den vergangenen Jahrzehnten viel Material erschlossen und jede Menge Erkenntnisse gesammelt hat. Und weil es im populären Bild der Grimms zu viele Halbwahrheiten gibt. Es gilt, so Koch, aufzuräumen mit der Vorstellung, dass die beiden in erster Linie Sammler von Märchen waren - sie gaben, schreibt er, den überlieferten Geschichten erst ihre literarische Form. Es gilt außerdem, die Verdienste und Innovationen der Brüder Grimm als Literaturwissenschaftler, Linguisten und Professoren zu würdigen - ihre neue Konzeption der Germanistik, ihre noch heute Standards markierenden Großprojekte. Und nicht zuletzt ist es nach Ansicht des Rezensenten an der Zeit, die Personen von Jacob und Wilhelm zu unterscheiden - sie haben durchaus unterschiedliche Impulse in das gemeinsame Werk eingebracht. All das tut die Biografie von Hans Georg Schede im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Sie wendet sich an ein breites Publikum, doch sie macht dabei, so der Rezensent, "keine Zugeständnisse an die Seriosität und findet durchweg zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen übersichtlicher Raffung und dem für das Vorhaben unerlässlichen Reichtum". Sie zeigt die "Spuren einer politisch aufgeregten Zeit" und die Wirkung der Brüder - mehr, so Koch, "kann man von einer knappen Biografie nicht verlangen".
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