Die vorliegende Untersuchung ist eine weitausgreifende kulturwissenschaftliche Studie zum Verhältnis von Sport und Literatur. Sie betrachtet die den Sport thematisierende essayistische Literatur zwischen 1880 und 1930 als einen Versuch, den immensen gesellschaftlichen Erfolg des Sports um 1900 auf Erklärungsmuster zurückzuführen, die Sport und Sportlichkeit als sinnhaften Teil einer (wie auch immer verstandenen) Tradition erscheinen lassen - oder umgekehrt: als nicht minder sinnhafte Absage an diese Tradition. Im Essay wird der Sport nicht allein gefunden, sondern erfunden: nämlich propagiert, problematisiert und persifliert. Das Buch schreibt die Geschichte dieser Erfindung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2005
Hanns-Marcus Müller legt mit "Bizepsaristokraten" eine "lesenswerte Studie" vor, urteilt Daniel Jütte freundlich, dem dabei manches historische Kuriosum untergekommen ist. In dem Werk wird die sportbezogene Essayistik der Jahre 1880 bis 1930 daraufhin untersucht, wie der Sportdiskurs als Mittel der "Kulturkritik" fruchtbar zu machen ist. Müller stellt dar, wie die verschiedenen sozialen Gruppen mit dem Sport auch verschiedenen Vorstellungen und Erwartungen verbanden. Letztes Anliegen jedoch war immer, so der Rezensent, die "Formierung von Körperbildern". Letztlich aber bleibt, dem Rezensenten zufolge, eine Grundunterscheidung in Sachen Sport und Sportkritik bestehen: dass es die Enthusiasten gibt und die Skeptiker.
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