Aus dem Französischen von Hans-Horst Henschen. Durch Flauberts Werk wurde der moderne Roman erst ermöglicht. In seinem satirischen Spätwerk "Bouvard und Pécuchet" betreten zwei absurd komische Antihelden die Bühne der Geisteswelt.Flauberts posthum erschienener satirischer Schelmenroman "Bouvard & Pécuchet" ist neben "Madame Bovary" eines der bedeutendsten Werke des französischen Realisten. Noch heute ist die Geschichte der beiden Pariser Büroangestellten ein großes Lesevergnügen: durch eine Erbschaft unerwartet zu Reichtum gelangt, ziehen sich Bouvard und Pécuchet aufs Land zurück, um sich fortan der Forschung und dem Wissensdrang zu widmen - und in allem grandios zu scheitern.Flaubert selbst hat sich so sehr in den Stoff vertieft, dass er einen ganzen Kosmos um die beiden Protagonisten geschaffen hat. Der vielfach ausgezeichnete Übersetzer Hans-Horst Henschen hat über Jahrzehnte an der Übersetzung und Kommentierung der drei Werke gearbeitet. Erst jetzt sind die unabhängig voneinander verfassten, aber zusammengehörenden Arbeiten Flauberts in einer Ausgabe verbunden und bieten einen neuen, auch wissenschaftlich fundierten Zugang zum Spätwerk Flauberts.Die Transkriptionen und Kommentare ergänzen die sorgfältige und lebendige Übersetzung und runden so einen Werkkomplex ab, von dem Flaubert selbst feststellte: "Diese verdammte Schwarte wird nur als Ganzes Bedeutung haben."
Rezensent Tobias Schwartz sieht mit Gustave Flaubert den Versuch auf grandiose Weise gescheitert, sich als Autor zu verabschieden. Wie es Flaubert in seinem Roman-Fragment unternimmt, Kunst und Nicht-Kunst zu entdifferenzieren und seine Zeit in typisch moderner Weise unter Einbezug des Trivialen, Hässlichen und Banalen festzuhalten, lässt ja gerade auf das unvergleichliche Gespür des Autors schließen, findet er. Der vorliegende Werkkomplex zu Flauberts enzyklopädischem, satirischem Konzeptroman mit unveröffentlichten Exzerpten erinnert Schwartz an ähnliche Ansätze bei Rainald Goetz und Thomas Meinecke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2017
Auch wenn der Herausgeber Hans-Horst Henschen seine Herangehensweise nicht immer zur vollen Zufriedenheit des Rezensenten Niklas Bender erklärt, ist dieser angetan von der vierbändigen erweiterten Neuausgabe der Edition von Gustave Flauberts Romanfragment über zwei "prosaische Faust-Imitate". Auf die Komik des intellektuellen Buches hinzuweisen, scheint Bender nicht das geringste Verdienst des Editors und Übersetzers zu sein. Und die Vorstufen zu Flauberts enzyklopädischem Werk vorzulegen, findet der Rezensent spannend und wegen des Umgangs mit lückenhafter Überlieferung auch gewagt. Wenn Henschen sich mitunter von persönlichen Leidenschaften leiten lässt, kann Bender das verzeihen angesichts der ansonsten in den Bänden waltenden wissenschaftlichen Sorgfalt.
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