Gustave Flaubert, Edmond de Goncourt, Jules de Goncourt

Gustave Flaubert: Briefwechsel mit den Brüdern Goncourt

Gerd Haffmans bei Zweitausendundeins, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783861505297
Gebunden, 460 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit Anmerkungen versehen von Cornelia Hasting. Sie waren Pariser Dandys, die ins falsche Jahrhundert geboren wurden. Ihre Liebe galt dem Zeitalter Diderots, das 19. Jahrhundert empfanden sie als unerträglich banal. Eine Erbschaft hatte sie jeder Brotarbeit enthoben, und so konnten sie ihre symbiotische Existenz (sie teilten nicht nur die Ansichten, sondern auch die Mätressen) in Literatur verwandeln. Ihre Romane und kulturhistorischen Studien sind inzwischen zwar so gut wie vergessen, bedeutend blieben dagegen bis heute die 22 Bände ihrer Tagebücher, in denen sie 5.000 Personen ihrer Zeit auftreten lassen und mit Lästerzungen kommentieren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.11.2004

In seiner Hymne auf Gustave Flaubert und die menschliche Dummheit widmet Rolf Vollmann auch einige wenige Zeilen dem Briefwechsel Flauberts mit den Brüdern Goncourt. Hier treffen sich genau die richtigen, freut sich Vollmann: Ein im Jammern höchst talentierter Flaubert, ein "wunderbar klatschsüchtiges" Brüderpaar und ein "glänzender" Kommentar. Besonders Genussfreudigen empfiehlt Vollmann als Begleitlektüre die Tagebücher der Goncourts: Darin ziehen sie dann nämlich über Flaubert her.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004

Mit spürbarem Interesse hat Martin Meyer den Briefwechsel von Gustave Flaubert mit den Brüdern Edmond und Jules de Goncourt gelesen. Zwanzig Jahre lang hielt die Verbindung, bis zum Tod Flauberts im Frühling 1880. Während Meyer in Flauberts literarischen Werken eine Distanz ausmacht, in der der Verfasser schließlich verschwindet, kommen ihm die Briefe "leger" vor. Der Mann, der in seiner Prosa alles kunstvoll durchkonstruiert, bleibt in seinen Briefen "ein Mann der Daten und Meldungen", so Meyer. Die Literatur ist das bestimmende Thema, da werden Typologien von Charakteren durchgesprochen, die Liebe als "Chimäre" gebrandmarkt, "höflich formuliert" frauenfeindliche Positionen bezogen, aber auch der Status der körperlichen Verfassung durchgegeben. Die Edition gefällt dem Rezensenten außerordentlich, er findet nicht nur die Übersetzung "vorzüglich", er lobt auch die "Fülle von Anmerkungen und Hinweisen" zur historischen und gesellschaftlichen Situation, ohne die vieles "erratisch" geblieben wäre.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.08.2004

Der Rezensent Lothar Müller ist begeistert von diesem "Juwel", das den Schriftsteller Gustave Flaubert von einer Seite zeigt, die man aus seinen Romanen nicht kennt. Während "der große Reformator des stets zu Ausschweifung und Formlosigkeit neigenden Romans" völlig hinter seiner Kunst zurücktritt und das eigene Ich ausklammert, ist er in seinen Briefen jemand, der oft einmal "Ich sagt" und auch Gefühle zeigt - das ist durch unterschiedliche Briefwechsel mit verschiedenen Freunden dokumentiert. Müller freut sich, dass es nun auch den Briefwechsel mit den Brüdern Goncourt auf deutsch gibt. Mit ihnen verband ihn eine immer engere Freundschaft. Außer dass man durch das Aufeinandertreffen von diesen kontrastierenden Persönlichkeiten einiges über Flaubert und die Goncourts lernt, verrät der Briefwechsel auch eine Menge über die Zeit: Er "ist eine bisweilen stenografisch genaue Chronik des Second Empire und des späten 19. Jahrhunderts." Der Briefwechsel, so merkt Müller an, wird in dieser Ausgabe durch Auszüge aus den berühmten Tagebüchern der Goncourts angereichert.
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