Steffen Jacobs (Hg.)

Die liebenden Deutschen

645 entflammte Gedichte aus 400 Jahren
Cover: Die liebenden Deutschen
Gerd Haffmans bei Zweitausendundeins, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783861505693
Gebunden, 679 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Steffen Jacobs. "Schwestern sind sie, doch sie meiden/ ewig sich ohn Unterlaß". Das behauptete vor rund hundertfünfzig Jahren der Dichter Franz Grillparzer über das Verhältnis von Liebe und Wollust. Sex oder Liebe - vor dieser Frage stand bislang auch, wer sich eine Sammlung mit Liebesgedichten zulegen wollte. Jahrhundertelang wurde da fein säuberlich getrennt, was einst flüssig ineinander überging: die reine, keusche Liebe hier, die vermeintlich unzüchtige Wollust dort. Wieso eigentlich? An den Poeten kann es kaum liegen: Im Gegensatz zu Grillparzer haben sich die meisten Dichterinnen und Dichter deutscher Zunge verblüffend wenig um den vermeintlichen Gegensatz von Herz und Trieb geschert. Das war bei galant-anzüglichen Barocklyrikern wie Fleming und Hoffmannswaldau nicht anders als bei den erotischen Freigeistern Goethe und Heine; daran hat sich auch bei bedeutenden Liebesdichtern unserer Zeit wie Peter Rühmkorf oder Peter Hacks nichts geändert. Längst zählt die Libido für uns zur Liebe. Es gibt Erregtes von Friedrich Schlegel bis Bertolt Brecht, Sinnliches von Johann Christian Günther bis Else Lasker-Schüler, Freches von Annette von Droste-Hülshoff bis Eckhard Henscheid. Und natürlich gibt es auch die leisen Zwischentöne, die feinen Andeutungen und subtilen Subtexte, ohne die in der Liebe gar nichts geht. Mehr als 200 Dichterinnen und Dichter haben im Verlauf von 400 Jahren an dieser Love-Story mitgeschrieben. Manche Stücke sind kurz genug für eine SMS, andere lang genug für einen altmodischen Liebesbrief, und einige so gehaltvoll, dass sie für ein ganzes Liebesleben reichen dürften. Für erwünschte und unerwünschte Folgen der Anwendung können wir leider keine Haftung übernehmen. Nur soviel sei noch gesagt: Manches spricht dafür, dass selbst Franz Grillparzer seinerzeit nur auf einen uralten Trick zurückgegriffen hat. Als er seiner Angebeteten die Reinheit seiner Gefühle beteuerte, hoffte er wohl darauf, schneller zum Ziel zu kommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2006

Lobend äußert sich Harald Hartung über diese Anthologie mit 645 Liebesgedichten vom Barock bis zur Gegenwart, die Steffen Jacobs herausgegeben hat. Er bescheinigt Jacobs zudem, selbst einer der bedeutendsten jüngeren deutschen Dichter zu sein. Seine Zusammenstellung deutscher Liebeslyrik hat Hartung dann auch außerordentlich gefallen. Überzeugend findet er die Anordnung der Gedichte nach Art einer Love-Story in elf Kapiteln - vom "Beginn der Liebe" bis zu "Abschied und Trennung". Auch einige Derbheiten und Obszönitäten entdeckt Hartung in Jacobs Sammlung. Dabei hebt er freilich hervor, dass der "Eros zur Poesie" für den Herausgeber über allem steht. Manche Dichter vermisst Hartung aber auch, Rudolf Borchardt etwa oder Sarah Kirsch. Aber das fällt für ihn nicht allzu schwer ins Gewicht, bietet die Sammlung doch dafür zahlreiche unerwartete Funde wie Oskar Loerkes dekonstruktivistische Liebesgedichte oder Alfred Lichtensteins "Pathos".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2006

Lobend äußert sich Harald Hartung über diese Anthologie mit 645 Liebesgedichten vom Barock bis zur Gegenwart, die Steffen Jacobs herausgegeben hat. Er bescheinigt Jacobs zudem, selbst einer der bedeutendsten jüngeren deutschen Dichter zu sein. Seine Zusammenstellung deutscher Liebeslyrik hat Hartung dann auch außerordentlich gefallen. Überzeugend findet er die Anordnung der Gedichte nach Art einer Love-Story in elf Kapiteln - vom "Beginn der Liebe" bis zu "Abschied und Trennung". Auch einige Derbheiten und Obszönitäten entdeckt Hartung in Jacobs Sammlung. Dabei hebt er freilich hervor, dass der "Eros zur Poesie" für den Herausgeber über allem steht. Manche Dichter vermisst Hartung aber auch, Rudolf Borchardt etwa oder Sarah Kirsch. Aber das fällt für ihn nicht allzu schwer ins Gewicht, bietet die Sammlung doch dafür zahlreiche unerwartete Funde wie Oskar Loerkes dekonstruktivistische Liebesgedichte oder Alfred Lichtensteins "Pathos".