Als Alice Littlebird, ein Mädchen aus dem Volk der Cree, von ihrer Familie getrennt wird und in die Black Lake Residential School kommt, verliert sie alles. Die Nonnen nehmen ihre Kleider weg und scheren ihr das Haar. Sie darf ihre Sprache nicht sprechen und muss mit Worten, die sie nicht versteht, zu einem Gott beten, den sie nicht kennt. Selbst den Namen nimmt man ihr: Alice Littlebird ist Nr. 47 und nur eines der Kinder, die sich abends in den Schlaf weinen. Ganz leise, denn Weinen ist verboten. Nicht einmal ihren Bruder Terry, der im Jungentrakt der Schule lebt, darf Alice sehen. Doch damit will sie sich nicht abfinden! Als sie in der rebellischen Shirley und der Köchin Elli zwei Vertraute findet, gelingt es ihr, Terry zu treffen und der hat längst einen Plan ausgeheckt: Er und Alice Littlebird werden fliehen! Grit Poppe erzählt von einer riskanten Flucht. Alice und Terry sind erfunden, doch die Residential Schools zur Umerziehung der Kinder von Ureinwohnern Kanadas waren allzu lange traurige Realität.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2020
Rezensentin Regina Riepe empfiehlt Grit Poppes Abenteuergeschichte, in der zwei Geschwister aus einem kanadischen Umerziehungslager für Kinder der First Nations fliehen, als Mutmach-Buch. Denn von der Widerstand und der Solidarität zu lesen, mit der die Kinder gemeinsam gegen das Zwangssystem ankämpfen und sich allein durch die Wildnis schlagen, findet sie inspirierend. Ein spannender Jugendroman, der dazu ermutige, sich auf die "eigene Stärke zu besinnen", schließt Riepe.
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