Greil Marcus

Bob Dylans 'Like a Rolling Stone'

Die Biografie eines Songs
Cover: Bob Dylans 'Like a Rolling Stone'
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2005
ISBN 9783462034875
Kartoniert, 200 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Columbia Aufnahmestudio A, 15. Juni 1965: Ein Sänger spielt gedankenverloren einzelne Töne auf dem Klavier. Als er zu singen beginnt, versagt seine Stimme. Der Takt klingt gequält. Am Ende des Tages wird eine Single aufgenommen sein, sechs Minuten und sechs Sekunden: "Like a Rolling Stone". Vier Wochen später stürmt Bob Dylan damit die Charts.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.06.2005

Es ist ja oft so, dass, wer von Bob Dylan sprechen will, unvermittelt von der Welt spricht und im Grunde doch nur von sich selbst. Nicht selten bleibt es beim inspirierten Geschwurbel. Dieser Gefahr jedoch, so das Fazit Konrad Heidkamps, ist Greil Marcus mit seiner Exegese eines Popsongs - laut einem einflussreichen Musikmagazin des besten aller Zeiten - entgangen. Marcus bringt Bob Dylans "Like A Rolling Stone" zum Sprechen. Er beschreibt die Entwicklung eines Singersongwriters von einer Bedürfnisanstalt revolutionär-pazifistischer Ansprüche zum Rockmusiker, der von sich sagt, er akzeptiere das Chaos, und in seiner Musik genau diese Haltung auch zum Ausdruck bringt. Mit besonderer Erleichterung verzeichnet der Rezensent, dass Greil Marcus auf die üblichen "poetischen Dunkelstellen" verzichtet, was um so schöner ist, als er dafür alles "popenzyklopädisch Wissenswerte" anführt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2005

Leider verliert unser Rezensent Christoph Fellmann kein einziges urteilendes Wort über dieses Buch, wir erfahren auch nicht, ob er all seine interessanten Gedanken aus sich selbst oder aus dem Buch schöpft.  Im Jahr 1965, als Dylan sein Lied aufnahm, soviel berichtet Fellmann immerhin von seiner Lektüre, befand sich die Welt des Pop für Greil Marcus in einem "Wettlauf mit der Welt an sich, der Welt der Kriege und Wahlen, der Arbeit und Freizeit, der Reichen und der Armen, der Weißen und Schwarzen" - und der Pop stand im Begriff, diesen Wettlauf zu gewinnen. Damals wurde Dylans Lied als "Ruf auf die Straße" gehört. Auch Marcus tut dies heute noch. Aber war er das wirklich? Heute, beschreibt Fellmann seine Zweifel, erscheine dieses "so großartig gereimte Manifest durchaus ungereimt". Propagierte Dylan den Aufbruch oder befragte er ihn skeptisch? "How does it feel?". Und steht wirklich fest, dass es Freiheit bedeutet, nichts zu verlieren zu haben? Dylan war nicht Janis Joplin. Ist Miss Lonely Miss Liberty? Was wir von Fellmann noch erfahren, ist, dass es Marcus nicht bei der Biografie des Liedes belässt, sondern dessen Wirkungsgeschichte bis zu den Pet Shop Boys verfolgt.

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