Klappentext
Bevor sie mit der Band "Wir sind Helden" Furore macht, ist Judith Holofernes ein komisches Kind. Eine Träumerin, die sich wie eine betrunkene Hummel durch die Welt bewegt. Was später als Neurodiversität bezeichnet wird, fällt im Berlin der wilden 1970er nicht weiter auf. Erst als die lesbische Mutter ins beschauliche Freiburg zieht, beginnt Judith, spektakulär anzuecken. Dabei möchte sie so gerne alles richtig machen. Also versucht sie den Spagat: Ob das geht, nett sein und besonders? Es geht. Auch wenn sie dafür einen hohen Preis bezahlt: Judith Holofernes wird der netteste Rockstar der Welt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.03.2026
Rezensent Tobias Lentzler freut sich über Judith Holofernes' Kindheits- und Jugendbuch, das vom Aufwachsen als Berlinerin mit "Hummelhirn" in Freiburg erzählt. Im Fokus stehe dabei nicht so sehr die Coming-of-Age-Geschichte, sondern vielmehr die erst kürzlich diagnostizierte Neurodivergenz der Autorin und ehemaligen Wir-sind-Helden-Frontfrau, die sie als Kind schon spürt und mit übertriebener "Nettigkeit" auszugleichen versucht, liest der Kritiker. Wie Holofernes hier die Schwierigkeiten beschreibt, gerade auch in der neuen Umgebung Freiburg, wohin sie mit ihrer Mutter als Kind zog, findet der Kritiker nahbar und bewegend; die Art der Neurodivergenz habe Holofernes extra nicht spezifizieren wollen, um möglichst viele Kinder anzusprechen, liest er. Vor allem die eingewobenen Tagebucheinträge aus der Zeit findet er sprachlich beeindruckend. Nur manchmal geraten ihm die Anekdoten um Haustiere oder gemeinsame Filmabende mit den Kindern "arg detailverliebt". Trotzdem ein sympathisches Buch, lobt Lentzler, in dem er sich "geborgen" fühlt.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.03.2026
Rezensentin Nina Müller wird nicht so recht warm mit dem zweiten autobiographischen Roman der früheren "Wir sind Helden"-Sängerin. Nachdem sie mit ihrem vorherigen Buch auf die negativen Nachwirkungen blickte, die der Erfolg im Musikgeschäft nach sich zog, widmet sich die Autorin diesmal primär ihrer Kindheit in Berlin und Freiburg, resümiert die Kritikerin. Der Text reiht dabei unterschiedlichste Formen aneinander: Songtexte, Briefe, Kurzerzählungen sowie Schulzeugnisse erzeugen eine Materialfülle, die aber leider wenig Eindruck hinterlässt, seufzt Müller. Trotz der vorhandenen, herausragenden Passagen sei das Schreiben hier einem bloßen Aufzählungsprinzip verpflichtet, das völlig ohne Gedanken nur der Pointe entgegenblicke. Die nur anekdotische Sicht auf die eigene Vergangenheit verkennt, auch im Kontext des vorherigen Buches, die systemische Komponente, die schließlich zu den Problemen beitrug, die die Autorin dann als bekannte Musikerin bewältigen musste, bemerkt Müller über diesen leider nur in die Breite erzählenden Text.
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