Patti Smith

Just Kids

Die Geschichte einer Freundschaft
Cover: Just Kids
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2010
ISBN 9783462042283
Gebunden, 304 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Mit zahlreichen Abbildungen aus dem Privatarchiv von Patti Smith und Robert Mapplethorpe. Aus dem Amerikanischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann. Patti Smith führt uns in das New York der frühen siebziger Jahre, in eine Ära, die für sie vor allem von der tiefen Freundschaft zu einem Menschen geprägt wird: dem später zu Weltruhm gelangten Fotografen Robert Mapplethorpe. "Just Kids" erzählt die bewegende Geschichte zweier seelenverwandter, die für und durch die Kunst leben, und entwirft zugleich ein betörendes Bild einer revolutionären Epoche.
Als Patti Smith und Robert Mapplethorpe sich im Sommer 1967 in New York kennenlernen, sind sie beide 20 und ohne einen Pfennig in der Tasche auf der Suche nach einem freien Leben als Künstler. Eine intensive Liebesgeschichte beginnt, die später in eine tiefe Freundschaft übergeht. Von Brooklyn ziehen sie ins Chelsea Hotel, wo Patti Smith Bekanntschaft macht mit Janis Joplin, Allen Ginsberg, Sam Shepard, Todd Rundgren, Tom Verlaine und vielen anderen Künstlern. Patti Smith taucht ein in die Welt der Rockmusik und wird zu einer der einflussreichsten und stilprägendsten Künstlerinnen des Jahrzehnts. Auch wenn sich ihre Wege zwischendurch trennen, bleiben Patti und Robert bis zu dessen Tod im Jahr 1989 eng verbunden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.05.2010

Dieses Buch wäre interessanter, würde Patti Smith weniger von Robert Mapplethorpe und mehr von sich erzählen, findet Rezensent Frank Schäfer. Er hätte gern mehr darüber erfahren, wie sich Smith, die sich offenbar sehr schwer mit dem Schreiben tat, erst zur Rockkritikerin und dann zur Lyrikerin und Underground-Performerin entwickelte. Die Stellen über Mapplethorpe sind dagegen "reine Hagiografie", also auch nicht wirklich aufschlussreich. Trotzdem scheint Schäfer das Buch zu empfehlen: die Porträt- und Milieuskizzen, die Smith von Künstlern wie Gregory Corso, Sam Shepard, der Factory und dem Chelsea-Hotel zeichnet, machen es "so wertvoll".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.04.2010

Rezensentin Natalie Soondrum ist sehr angetan von Patti Smith' Rückblick auf ihre Beziehung mit dem Fotografen Robert Mapplethorpe. Die beiden wurden Ende der Sechziger Jahre zum Paar, bevor Mapplethorpe seine Homosexualität entdeckte, und blieben einander bis zu dessen Tod Ende des Achtziger Jahre eng verbunden. Zwar findet sie die deutsche Übersetzung nicht richtig gelungen, denn Smith' Sprache sei im Original "eine hinreißende Mischung aus Poesie und Arme-Leute-Einfachheit". Doch bei der ersten Lektüre sollte das nach Meinung der Rezensentin kaum stören, dazu sei der Inhalt einfach zu spannend - und nach Soondrums Meinung eine "ergreifende Ode an die Subkultur im New York der siebziger Jahre".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.03.2010

Als Initiationsgeschichte, "Künstlerroman" und faszinierendes Porträt einer amerikanischen Künstler-Boheme der 60er Jahre hat Thomas Groß Patti Smith' Erinnerungen gelesen. Eine der typischen "Rockstar-Memoiren" ist dieses Buch genauso wenig, wie es bloß Schlüsselroman-Charakter hat, obwohl sich hier sämtliche illustre Namen der Kunstszene der Zeit finden lassen, konstatiert der Rezensent. Stattdessen kann Groß hier Patti Smith' geradezu religiösen Willen bestaunen, Künstlerin zu werden, er liest mit Faszination von ihrer Beziehung zu Robert Mapplethorpe und ihrer gemeinsamen Zeit als mittelloses Künstlerpaar im legendären Hotel "Chelsea". Es ist ein Abgesang auf eine Ära, für die die Rockmusikerin bis heute steht, befindet der Rezensent, den die Erinnerungen in den Bann gezogen und berührt haben, wie er lobt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010

Verena Lueken scheint es vor allem der Seconhand-Kleider-Stil von Patti Smith angetan zu haben. Aber das Buch plaudert sich auch aus darüber, und schließlich, hey, es geht um Patti Smith, die Stilikone. Laut Lueken geht es aber auch um Robert Mapplethorpe und die Freundschaft der beiden und wie sie wurden, was sie waren beziehungsweise sind. Lueken erklärt, dass der Band auch als Bildungs- und Sittengeschichte taugt, weil darin nachzulesen ist, was es heißt, in den 70ern den unbedingten Willen durchzusetzen, Künstler zu werden, weil Smith erzählt, wie sie keine Dame im Sonntagsstaat sein wollte. Und sie sagt, wie das alles erzählt wird: unsentimental, uneitel, poetisch.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2010

Den Zweck dieser Autobiografie durchschaut Rezensentin Nina Apin umstandslos. Pattis Smiths Selbsterklärungsversuch erkennt sie als literarische Deutung der eigenen Karriere, bevor andere es tun, hier: junges Mädchen aus dem Volk kommt nach New York, wird vom Geist des Rock 'n Roll geküsst und kämpft sich nach oben. Die hier verhandelten Jahre 1967 bis 1975, in denen Smith ihre wichtigsten Kontakte knüpft, erscheinen Apin als prägend für die Entwicklung der Künstlerin. Der Band bietet ihr Einblicke in die Beziehung zu Robert Mapplethorpe und in die konventionellen Momente dieser Karriere. Indem Smith sich als ganz normale Frau darstellt, schreibt sie laut Apin Steven Sebrings Langzeitstudie "Dream of Life" fort.