Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit. Auf unnachahmliche Weise erzählt Patti Smith aus ihrem Leben, von ihrem Ehemann, ihren Kindern und von Dingen und Menschen, die sie im Laufe ihres Lebens verloren hat und die dadurch für sie noch mal an Bedeutung gewonnen haben. Patti Smith nimmt den Leser mit in unzählige Cafés auf der ganzen Welt, in denen sie schreibt, malt, Listen komponiert und nachdenkt. Über alte Zeiten, über die Gegenwart und über die Bücher, die sie gerade liest oder dringend wieder lesen muss. Bis zu vierzehn Tassen Kaffee trinkt man mit ihr pro Tag und schweift dabei zusammen mit ihr durch ihr Leben, von den 1980er-Jahren bis heute. Es geht auf spektakuläre Reisen, z.B. nach Französisch-Guyana auf den Spuren von Jean Genet oder zu den Gräbern seelenverwandter Künstler wie Sylvia Plath, Arthur Rimbaud oder Frida Kahlo. Mit zahlreichen von Patti Smith gemachten Fotos.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.05.2016

Frank Junghänel ahnt die leere Mitte in Patti Smiths Reflexionen. Es ist der verlorene Gefährte, der hier betrauert wir, melancholisch, doch nie sentimental, meint er. Darüber hinaus kommen Philosophisches und Praktisches zusammen, Jean Genet und Katzenkotze, erklärt Junghänel begeistert, das Wahre und das Imaginierte. Der Erzählstrom, den Smith in Gang setzt, erinnert ihn daran, dass die Autorin schon immer Poetin war. Wenn Smith humorvoll über ihre Vorliebe für Krimiserien plaudert und Lebensstationen, die sie mit eigenen Fotos belegt, Revue passieren lässt, findet der Rezensent das grundsympathisch.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.03.2016

Aus ziemlich allen Wolken fällt Jens Uthoff bei der Lektüre von Patti Smiths mittlerweile drittem Band mit bohèmeartigen Kaffeehaus-Erinnerungen und Verneigungen vor großen (und, wie der Rezensent etwas gallig anmerkt, mittlerweile nahezu allesamt beerdigten) Künstlern. War Smiths "Just Kids" in den Augen Uthoffs noch ein immens lesenswertes Buch, verhebt sich die Autorin für ihn hier spürbar: Zuviel Stoff für 18 Kapitel, denen es nach Ansicht des Kritikers an Struktur und Bezug zueinander erheblich mangelt - auch wenn Smith mit einem "imaginären Cowboy", der hier durch die Seiten geistert, losen Zusammenhang zu stiften versucht. Smiths Neigung zu raunender Esoterik, Prophezeiungen, religiös verschwurbelter Schicksalshaftigkeit und der Essenzialisierung von Ethnien registriert der Kritiker zudem entgeistert: "Really, Mrs. Smith?" Die früheren Bücher haben sich solchen Exzessen des spirituellen Kitsches nicht derart hingegeben, schreibt er weiter. Bedauerlich findet Uthoff diese Entwicklung auch deshalb, da einige schöne - auch schön geschriebene - Passagen in "M Train" im Zuge ziemlich unter die Räder geraten.