Lange Zeit galt in Deutschland-West die These, der "demokratische Neuaufbau" sei gelungen und es habe keine realistische Alternative zu Adenauers Politik der "Restauration" in Verbindung mit der Westintegration gegeben. Dieser Ansatz blendete die linkssozialistischen Traditionen jenseits sozialdemokratischer Anpassungspolitik und stalinistischer KPD aus und übersah ihre wichtige Brückenfunktion nach 1945 zur Wiederbelebung der Neuen Linken in den 60er Jahren. Mit der Niederlage der in den Gewerkschaften stark verankerten oppositionellen sozialistischen Gruppierungen im Kampf gegen die Wiederbewaffnung und Westintegration Mitte der 50er Jahre drängte die junge Generation auf eine konzeptionelle Neuausrichtung, die den vorherrschenden Tendenzen in der SPD entgegenlief.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2008
In Grenzen hält sich Günter Buchstabs Begeisterung für dieses Buch über die linken Sozialisten in der Ära Adenauer, das Gregor Kritidis vorgelegt hat. Den Verdienst des Autors sieht er darin, das Gefelcht von heute fast vergessenen Figuren wie Erich Gerlach, Victor Agartz und Peter von Oertzen, von linken Gruppierungen und Publikationsorganen transparent gemacht zu haben. Andererseits kritisiert er die mangelnde Distanz von Kritidis gegenüber seinem Gegenstand. Er hält ihm vor, sich der "Vorstellungswelt" seiner Protagonisten "hermetisch" anzuschließen. So teile er deren Ansichten zur BRD und zeichne ein "düsteres Zerrbild" der bundesrepublikanischen Gesellschaft in den 1950er Jahren. Außerdem findet Buchstab die Paraphrasierung der abgehobenen, realitätsfernen Konzepte linkssozialistischer Gruppen recht "ermüdend".
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