Alle Krisen in Wirtschaft und Gesellschaft zeigen gleiche Grundeigenschaften: Die Überanpassung an herrschende Zustände hat in vielen Bereichen zur Vorherrschaft des Mittelmasses geführt. Dazu hat auch unsere TV-Kultur kräftig beigetragen, die gefönte Schönlinge und ausdruckslose Barbiepuppen als Vorbilder propagiert. Der Kreativforscher Gottlieb Guntern ist den Gründen dieser Prozesse nachgegangen und hat für die Verursacher der Mittelmäßigkeit (lat. Mediokrität) den Begriff Mediokratie geprägt. Sein Buch ist ein engagiertes Plädoyer für umfassendes kreatives Gestalten und kreatives Leadership jenseits der herkömmlichen Massenkultur.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.01.2001
Für Beat Mazenauer ist dieses Buch eine einzige Enttäuschung, und er verliert eigentlich kein gutes Wort darüber. Den ersten Teil, der sich mit der bremsenden und das Altbewährte favorisierenden "Mediokratie" befasst, sieht der Rezensent durch "Verallgemeinerungen" und "Gemeinplätze" geprägt; außerdem hat er gravierende Fehler gefunden, die er aber diplomatisch als "Ungenauigkeiten" bezeichnet. Er wirft dem Autor des weiteren "mangelnde analytische Trennschärfe" und einen mitunter allzu "saloppen" Stil vor. Auch der zweite Teil, der sich nun der "kreativen Leadership" zuwendet, vermag den Rezensenten nicht zu überzeugen: weder werde der Begriff genau definiert, noch dargelegt, wie kreative Leadership zu erreichen wäre. Zudem befinde sich das Buch offensichtlich nicht auf der Höhe der Zeit, wie Literaturangaben und die Beispiele zeigten. Dass Guntern dann noch einen Vergleich aus dem Zarathustra entwendet, ohne seine Quelle kundzutun, kostet ihn auch die restlichen Sympathien, die der Rezensent noch für ihn gehegt haben mag.
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