Der Zürcher Historiker zeigt anhand von Einzelschicksalen und akribisch durchforsteter Aktenbestände, das Zwangsmassnahmen wie Kastration, Sterilisation, Kindswegnahmen oder Eheverbot bis vor kurzem zur Fürsorgepraxis der Schweiz gehörten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2004
Allein schon die bewegende Krankengeschichte des Schriftstellers Friedrich Glauser (1896 bis 1938) lohne die Lektüre dieses Buches von Thomas Huonker, lobt Robert Jütte, dessen Stärke für den Rezensenten entsprechend auch nicht "die stringente Argumentation, sondern die Aneinanderreihung spannender Fallgeschichten" bildet, die aber immer "in den jeweiligen zeitgenössischen medizin-psychiatrischen und fürsorgerischen Diskurs eingeordnet" werden. Das Buch, berichtet Jütte, reiht sich ein in Studien, durch die erst in jüngster Zeit deutlich geworden sei, wie sehr Staaten mit einer langen demokratischen Tradition im zwanzigsten Jahrhundert aus eugenischen Gründen Zwangssterilisationen geduldet haben, "und zwar bis weit in die Nachkriegszeit hinein". Thomas Huonker belegt dies mit seinem Buch nun auch für die Schweiz, am Beispiel von Akten Zürcher Fürsorgeeinrichtungen und aufgrund der systematischen Durchsicht der zeitgenössischen Fachliteratur. Das Buch, erfährt man, ist zugleich Teil des Versuchs, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, denn es beruht auf einem Bericht, den der Autor im Auftrag des Sozialdepartements der Stadt Zürich erstellt hat.
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