Wie wurden totalitäre Ideen und Systeme in den Geistes- und Sozialwissenschaften rezipiert? Wie groß war der Einfluss des Totalitarismus auf die universitären Diskurse? Eine disziplinenübergreifende Aufarbeitung der Zeit nach 1945 blieb bis heute weitgehend aus oder auf isolierte Aspekte beschränkt. Eine Gesamtschau auf das heikle Thema steht noch immer aus. Der vorliegende Band trägt dazu bei, diese Lücke zu schließen. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf der Rezeption des Totalitarismus in den Geistes- und Sozialwissenschaften nach 1945 in Deutschland und Italien. Der Sammelband präsentiert die Beiträge einer von der Alexander von Humboldt Stiftung geförderten internationalen Tagung ("Humboldt-Kolleg") des Kulturwissenschaftlichen Instituts der Universität Luzern in Zusammenarbeit mit der Universität Florenz.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.11.2006
Verdienstvoll findet Rezensent Thomas Steinfeld vorliegenden Sammelband über die Rezeption des Totalitarismus in den Geistes- und Sozialwissenschaften nach 1945 in Deutschland und Italien. Er attestiert den diversen Beiträgen eine klare und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Neben Reinhard Brandts Beitrag über Martin Heideggers wissenschaftsfeindliche Seinsphilosophie, die sich im Bekenntnis zu Deutschtum und Führerwillen verwirklicht, hebt er die Beiträge von Massimo Ferrari und Dominic Kaegi zu Hans-Georg Gadamer hervor. Deutlich wird für Steinfeld dabei die Verbindung von Gadamers Skepsis gegenüber wissenschaftlicher Rationalität und der übergroßen Bedeutung der philosophischen Tradition in seiner Hermeneutik in einer "konsequent vollzogenen Affirmation der Geschichte".
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