Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing: Werke und Briefe. 12 Bände in 14 Teilbänden

Band 7: Werke 1770-1773. Emilia Galotti. Anmerkungen über das Epigramm
Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783618611103
Gebunden, 1178 Seiten, 79,76 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Klaus Bohnen. Gleich mit seinem ersten Fund als Bibliothekar in Wolfenbüttel, dem Berengarius Turonensis, legt Lessing nach der Hamburgischen Dramaturgie und der Schrift Wie die Alten den Tod gebildet ein neues Werk vor, dessen sprachliche Brillanz und gelehrte Mikrologie an die früheren Schriften nahtlos anknüpfen: eine Handschrift des 11. Jahrhunderts, mit einer bisher unbekannten Verteidigung des Berengar gegen seinen Hauptgegner im Abendmahlsstreit, schärft den Blick für einen Mann, der allen Anfeindungen herrschender Institutionen standgehalten und so der Aufklärungsarbeit an der ?Wahrheit? einen Dienst erwiesen hat. Dramaturgisch geschickte Rhetorik und trockene ?Buchgelehrsamkeit?, diese für Lessing überhaupt so kennzeichnende Verbindung, zeigen sich hier mit einem Raffinement, das sich in der Folge noch verfeinern wird. Eine mit großem Engagement vorgetragene Entdeckung ist auch die Edition der Gedichte des Barockdichters Andreas Scultetus, wenngleich Lessings Bewertungen in der Literaturhistorie nicht Bestand haben sollten. Im September 1771 verlobt sich Lessing mit Eva König und verweilt den Oktober des Jahres über abwechselnd in Hamburg und Berlin. Hoffnung keimt auf, Wolfenbüttel zugunsten einer Anstellung in Wien verlassen zu können. Das neugefundene Gefühl der Heiterkeit beflügelt ihn zu seiner Emilia Galotti, die bereits im März 1772 fertiggestellt ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.04.2001

Auf Lessings Schriften aus den ersten drei Wolfenbütteler Jahren hat sich Ernst-Peter Wieckenberg eingelassen. Das verbreitete Urteil, bei den gelehrten Abhandlungen handle es sich um nichts als um Pflichtarbeiten des Dichters, möchte er nun gern korrigieren. Der Lessing, schreibt er, den wir aus den späteren Auseinandersetzungen mit dem Hamburger Pfarrer Goetze kennen, kündige sich bereits an: "kenntnisreich, ja gelehrt, scharfsinnig und stilistisch brillant". Dass sich der Kommentar des Bandes durch seine Sorgfalt und Gelehrsamkeit des Gegenstandes würdig erweist und dem Leser das Eigentümliche und auch die Brisanz der Schriften entdeckt, hält Wieckenberg für ein Glück.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2001

Lessing war zur Zeit der Entstehung dieser Werke, wie Hans-Jürgen Schings erläutert, Bibliothekar in Wolfenbüttel - eine Zeit, in der er von Einsamkeitsgefühlen und allgemeinem "Missvergnügen" geplagt wurde. Dennoch ist es ihm gelungen, in dieser Zeit sein "Glanzstück" zu verfassen: `Emilia Galotti`, doch die übrigen Werke dieser Zeit könnten nach Schings "entlegener und zufälliger kaum sein". So hat sich Lessing beispielsweise mit einem Dokument von Berengarius Turonensis aus dem elften Jahrhundert befasst, der als Ketzer und Opportunist galt, eine Behauptung, der Lessing in seiner Abhandlung vehement widerspricht. Ein anderer Text Lessings beschäftigt sich mit einer Handschrift Leibniz` über `die ewigen Strafen der Gottlosen`, in der Lessing Leibniz gegen den Vorwurf "der Anpassung an die Orthodoxie" verteidigt. Wie passt nun ausgerechnet `Emilia Galotti` in diesen Kontext?, fragt sich Schings. Doch bei genauerer Betrachtung sieht der Rezensent "gleichermaßen das unerbittliche dramatische Kalkül hier wie der unnachgiebige gelehrte Diskurs dort". Nicht einverstanden zeigt sich Schings mit der Interpretation des Herausgebers Klaus Bohnen. Dieser weise Lessing eine "anpasserisch-verdeckte Schreibweise" zu, der Lessing in seinen Texten stets vehement entgegengetreten sei.
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