Goffredo Parise

Die Frau im Sattel

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783803111913
Gebunden, 90 Seiten, 11,66 EUR

Klappentext

Alles hatte so harmlos angefangen: Die jung verheiratete Romana wollte von ihrem Mann ins Bad getragen werden, nur so, weil ihr das gerade angenehm wäre. Gern erfüllt Glauco den Wunsch seiner Frau. Doch als sie aus dem Bad kommt, scheint sie lustlos und müde. Von Tag zu Tag verschlechtert sich ihr Befinden. Huckepack aber erledigt sie mühelos alle Hausarbeit, und nur wenn sie es sich auf ihrem Gatten bequem macht, schmeckt ihr das Essen. Als Glauco mit so vernünftigen Vorschlägen wie einem Arztbesuch kommt, beginnt Romana, ihm die Sporen zu geben...Oder die Frau in den besten Jahren, deren Freund verreist ist. Aus Langeweile spricht sie einen Jungen auf der Straße an und gibt ihm ihre Telefonnummer. Der ruft nicht nur an...Mit zum Teil erstmals übersetzten Erzählungen und Liebesgeschichten stellt dieser Band Parise als einen erotischen Erzähler vor, dessen hohe Kunst in der Beschreibung kleiner Gesten und Anspielungen liegt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.11.2000

Etikettenschwindel? So in der Art vielleicht. Jedenfalls gibt Marina Neri vorsichtshalber mal zwei Warnschüsse ab: Erstens, schreibt sie, biete das ohnehin "schmale Buch", das der Wagenbach-Verlag da auf den Markt bringe, dem deutschen Parise-Kenner "nur drei neue kurze Texte"; die anderen der insgesamt 12 Erzählungen seien bereits veröffentlicht. Und zweitens handle es sich bei den Texten "meistens um reine Liebesgeschichten". Weniger also, wie der Untertitel verspricht, um Erotisches. Wer diese Warnungen allerdings beherzigt, auch das lässt sich der Kritik entnehmen, und den Band dennoch liest, der wird nicht enttäuscht. Dass Italien das Land der Liebe ist, so Neri, könne Parise beweisen: Mit seiner Wahrnehmungs- und Beschreibungsfähigkeit der Gefühle sei er zum Meister geworden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.10.2000

Langweilig ist es, zumindest für die Außenstehenden oder vielmehr Außenguckenden, wenn es mit der Liebe klappt, was ja im Leben meist nicht der Fall ist - und ebenso wenig in den Geschichten Goffredo Parises (1929-1986), wie uns Martin Krumbholz glaubhaft versichert. Des "Lesers Aphrodisiakum" sind doch, räsoniert er, all die "Querschüsse, die Verschleppungsrituale, die Verbotstafeln", von denen Liebesgeschichten umstellt sind oder durchkreuzt werden. Dennoch gehe es in Parises meisterhaften Kurzgeschichten, so der entzückte Rezensent, nie bloß um "platonische Liebe", nur dass die fleischliche Erfüllung eben nicht immer gelinge. Oft sind es die Konventionen, die der Liebe im Weg stehen, meint Krumbholz, die von den Personen verinnerlicht worden sind und bis in die Körpersprache hinein regieren. Parise erweist sich für ihn als subtiler Beobachter dieser teils paradoxen Reflexe, eines letztlich lächerlich begrenzten Werbungsrepertoires, aber auch "der umstürzlerischen Kraft des Eros", vorausgesetzt, sie kann sich in den Beteiligten freie Bahn schaffen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2000

Franz Haas zeigt sich zwar sehr erfreut darüber, dass sich die Bedeutung von Parise nun endlich herumspricht. Allerdings weist er darauf hin, dass gerade diese Geschichten zum großen Teil bereits schon einmal erschienen sind - und dass es sich hierbei "nicht immer (um) die besten" handelt. Bei der Titelgeschichte lobt er allerdings die "präzise Beiläufigkeit", mit der geschildert wird, wie eine Frau ihren Mann nach und nach dazu bringt, sie ständig auf seinem Rücken herumzutragen und wie das, was zu Anfang noch komisch war, immer mehr in "Hörigkeit und Eifersucht" kippt. Ansonsten weist Haas auf Parises Fähigkeit zur Verknappung hin, seine Fähigkeit, wichtiges mit wenigen Worten zu erfassen, und auch die "Zeitraffer"-Effekte gefallen ihm sehr. Wieso jedoch Haas die Geschichten nicht immer zu den besten zählt, wird in der Rezension nicht recht deutlich.
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