Gloria Meynen

Inseln und Meere

Zur Geschichte und Geografie fluider Grenzen
Cover: Inseln und Meere
Matthes und Seitz, Berlin 2020
ISBN 9783957576279
Gebunden, 501 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Wie werden Beobachtungen zu Zahlen, Daten zu wissenschaftlichen Erzählungen, und wie befeuern Daten und Messungen die Fiktionen der Literatur? - Gloria Meynen nimmt uns mit auf eine Reise zu den Anfängen der Klima und Meereswissenschaften, zum schmalen Streifen zwischen Land und Meer, den fluiden Grenzen zwischen Science und Fiction. Die einsame Insel ist ein Schauplatz des Einzigartigen, seit der Antike ein Wohnort der Utopien, Eremiten und Chimären. Mit der Erfindung der modernen Messwissenschaften werden Inseln zu einem Ort des Plurals. Sie sind ein Freiluftlabor der Arten und Varietäten, eine Fabrik der Nebenwirkungen und Abweichungen, in der das Einzigartige in Serie geht. Meynen folgt dem fiktiven Gespräch zwischen Alexander von Humboldt und Jules Verne. Beide verbindet eine Vorliebe für Zahlen, Messungen und Daten. Humboldt überträgt das Gesetz des Meeres auf das Festland. Er sucht in der Wiederholung des vermeintlich Gleichen, auf eintönigen Höhen und in monotonen Ebenen, die infinitesimal kleinen Abweichungen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.06.2020

Rezensentin Anna Gielas lernt in diesem Buch der Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin Gloria Meynen wie Messdaten entstehen und wie sie in der Literatur genutzt werden. Unterteilt in einen wissenschaftshistorischen und einen literaturwissenschaftlichen Teil verhandele die Autorin zunächst die Forschungen Alexander von Humboldts, dann die Literatur von Jules Vernes, um schließlich das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Literatur auszuleuchten, resümiert Gielas. Während Meynen Vernes Romane als "quelltrunken und doch frei erfunden" bezeichnet, erscheinen ihr auch Humboldts Theorien und Erkenntnisse als "Fiktionen der Wissenschaft": Wissenschaftliche Präzision münde hier in "Verzerrung", liest Gielas. Auch wenn der Kritikerin der wissenschaftshistorische Teil noch stringenter erscheint, empfiehlt sie das Buch gern als lehrreichen Einblick in die fluiden Grenzen zwischen Fiktion und Wissenschaft.

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