Herausgegeben von Ottmar Ette und Oliver Lubrich. Mit Alexander von Humboldt auf die eisigen Höhen des Chimborazo. Erstmalig vollständig veröffentlicht: die Tagebuchaufzeichnungen der waghalsigen Reise
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006
Hocherfreut begrüßt Jens Bisky diesen von Oliver Lubrich und Ottmar Ette herausgegebenen Band, der erstmals Alexander von Humboldts Berichte über Besteigung des Anden-Gipfels Chimborazo versammelt. Er lobt die Herausgeber für die gelungene Zusammenstellung von Humboldts Äußerungen über die Expedition, für die wunderbare Bebilderung und Gestaltung des Bands sowie die instruktive Einführung. Auffällig scheint ihm der Umstand, dass Humboldts Zeitgenossen das Scheitern der Besteigung 1802 bekannt war, der Gelehrte aber mit der genauen Schilderung der dramatischen Ereignisse um den Aufstieg und die durch eine unüberwindbare Spalte erzwungene Umkehr Jahrzehnte wartete. Bisky nimmt dies zum Anlass, um über den Umbruch zwischen der Wissenschaftskultur des 18. Jahrhunderts und der des 19. nachzudenken. In diesem Zusammenhang verweist er auf die Veränderung der Blickrichtung und der Schreibhaltung Humboldts, die mit der Umkehr einherging. Zudem unterstreicht er, dass Humboldt den Optimismus der Aufklärung, die moralische und die physische Welt in Harmonie zu sehen, nicht mehr teilen konnte. Dennoch erkennt Bisky bei Humboldt auch weiterhin das - auch in der Darstellungsform der nun vorliegenden Berichte spürbare - Ringen, der Stellung des Menschen im großen Ganzen der Natur, dem Verhältnis des Teils zum Ganzen gerecht zu werden.
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