Im Mittelpunkt des Buches stehen die Veränderungen und die Kontinuitäten der Strukturen und deren Funktionsträger, die gesetzlichen Rahmenbedingungen der ärztlichen Berufsausübung sowie die Rolle der ärztlichen Standesvertretungen unter den jeweiligen Machtverhältnissen. Auf der Basis von unveröffentlichten Quellen und anhand der detaillierten Schilderung der Karrieren vieler nicht nur ärztlicher Persönlichkeiten zeigt die Autorin, wie die ärztliche Berufsausübung und damit das Arzt-Patientenverhältnis missbräuchlich für machtpolitische Zwecke des Staates oder einer Partei instrumentalisiert werden können - eine Gefahr, die bis in die Gegenwart hineinreicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.11.2010
Gisela Taschers Dissertation über "Staat, Macht und ärztliche Berufsausübung 1920-1956" im Saarland hat den Rezensenten Burkhard Jellonnek, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Saarbrücken, überzeugt. In seiner Besprechung nimmt er vor allem den Umgang der französischen Besatzung mit NS-Ärzten nach 1945 in den Blick. Die Autorin zeigt für ihn schlüssig, wie ausgerechnet bei den französischen Militärmachthabern das Interesse an einer Verfolgung von NS-Medizinern schnell nachgelassen hatte. So sei eine ganze Reihe von prominenten NS-Ärzteführern bald nach 1945 wieder in einflussreiche Posten gelangt. Für den Rezensenten eine "eindrucksvolle" Dissertation.
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