Aus dem Italienischen von Federica Romanini. Die Bedrohung durch das Covid-19-Virus wird uns nicht nur als globaler Gesundheitsnotstand in Erinnerung bleiben, sondern auch als Verschärfung einer bestehenden demokratischen und staatspolitischen Krise. Im Namen der öffentlichen Gesundheit hat sich in vielen Ländern ein Regierungsstil durchgesetzt, dessen Angelpunkt der Erlass von Notverordnungen von zweifelhafter verfassungsmäßiger Richtigkeit war. Der Ausnahmezustand ist zum Normalzustand geworden. Einer der Ersten, der gegen diese Entwicklung seine Stimme erhob, war Giorgio Agamben. Seine anfängliche Empörung geht im Verlauf seiner Wortmeldungen, die hier nachzulesen sind, in die tiefere Analyse der neuen politischen Konstellation der "Biosicherheit" über: eine Verbindung des juristisch-politischen Dispositivs des Ausnahmenzustands mit der Wissenschaft, insbesondere einer sakralisierten Medizin, und den digitalen Technologien. Eine Gesellschaft, die ihr Gesicht hinter einer Maske verbirgt, sich vom Prinzip der "sozialen Distanzierung" leiten lässt und im ständigen Ausnahmezustand lebt, kann, so Agambens Befund, keine freie Gesellschaft sein. Was auf dem Spiel steht, sei nicht weniger als die Abschaffung des öffentlichen Raums in seiner Gesamtheit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2021
Mit erstaunlicher Unverblümtheit bekennt sich der hier rezensierende Romanist und Publizist Hans-Ulrich Gumbrecht zu Giorgio Agambens Kritik an der Corona-Politik in Italien und Europa. Seine Rezension zu den versammelten und höchst umstrittenen Corona-Texten Agambens aus unterschiedlichen Zeitungen liest sich geradezu wie eine Hommage. Auch Gumbrecht spricht jetzt also von "vorgeblich demokratischen Staaten", die, um das "nackte Leben" zu retten, ein totalitäres Regime errichteten. Die Grenze zwischen Demokratie und Diktatur sei durchlässiger geworden, da stimmt Gumbrecht Agamben voll und ganz zu. Mit dem Ziel der Erhaltung biologischen Lebens, so resümiert er Agambens Kritik, erlaube sich der Staat Übergriffe auf Freiheitsrechte der Bürger - die Frage, ob das verröchelnde Corona-Opfer selbst sein Leben als bloß biologisch ansieht, kann dieses an dieser Stelle natürlich auch nicht beantworten. Das ganze geschehe übrigens nicht durch den Terror machtlüsterner Potentaten , sondern - à la Foucault - "durch anonyme Veränderungsschübe sozialer Systeme". Der "aus existenzieller Perspektive denkbar schlimmste Fall" ist somit eingetreten. Gumbrecht empfiehlt auch all jenen, die in Details nicht zustimmen mögen, die Lektüre dieses Bandes.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Caroline Blackwood: Das Schicksal von Mary Rose Aus dem Englischen von Claudia Voit. Caroline Blackwood, Erbin des Guinness Vermögens und schillernde Figur der Londoner Bohème, hat aus ihrer Herkunft und ihrem Leben keine… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…