Scholastique Mukasonga

Die heilige Jungfrau vom Nil

Roman
Cover: Die heilige Jungfrau vom Nil
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2014
ISBN 9783884234693
Gebunden, 220 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andreas Jandl. Ruanda in den 1970ern: Hoch in den Bergen, nahe einer der Quellen des Nils, liegt das christliche Mädcheninternat Notre-Dame-vom-Nil. Mädchen aus einflussreichen Familien erhalten hier unter strenger katholischer Aufsicht fernab allen Verführungen der Großstadt ihre Schulbildung. Die meisten Mädchen sind aus gutem Haus und größtenteils Hutus. Die Aufnahme der Tutsi ist durch eine 10% Quote geregelt. Vor dem Hintergrund der aufkommenden Gewalt, die zwanzig Jahre später zum verheerenden ruandischen Völkermord eskaliert, schildert dieser Roman den Schulalltag der Töchter ranghoher Politiker, Militärs, Geschäftsleute und Diplomaten einerseits, sowie mittelloser Bauern andererseits. Die Schule wird zu einem faszinierenden Mikrokosmos der politischen Realität Ruandas in den 70 er Jahren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.11.2014

Das Wissen, dass die Wirklichkeit in Ruanda viel grausamer ist, als es jede Fiktion darzustellen vermag, begleitet Michael Bitala bei der Lektüre von Scholastique Mukasongas Roman. Dennoch reißt ihn das Buch, das den Hass zwischen Hutu und Tuts zum Thema hat, mit, und zwar durch seinen Schauplatz in einem Mädchenkloster in den Bergen Ruandas und durch seine Figuren. Das Erwachsenwerden der Mädchen (90 Prozent Hutu, 10 Prozent Tutsi) in dieser Abgeschiedenheit, ihre Sorgen und Träume vermag die Autorin mit einer Unmittelbarkeit zu schildern, dass der Rezensent den schrecklichen Hintergrund, der im Buch zwar auf jeder Seite durchscheint, doch laut Bitala nicht in seiner ganzen Problematik erörtert wird, mitunter beinahe vergisst.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.09.2014

Einen grandiosen Roman über die Hintergründe des Genozids in Ruanda vor zwanzig Jahren annonciert Rezensentin Carla Baum mit Scholastique Mukasongas neuem Buch "Die heilige Jungfrau vom Nil". Die Kritikerin erlebt hier den schwelenden Hass zwischen Hutu und Tutsi an einem katholischen Mädcheninternat im Ruanda der Siebzigerjahre und den Konflikt zwischen traditionellen Familien Ruandas und den Weißen, die neben Bildung, Erziehung und Ernährung auch die kolonialistische Rasseneinteilung prägten. Nicht zuletzt liest sie aber auch von alltäglichen Strukturen und Problemen, etwa von einem Pfarrer, der Enthaltsamkeit predigt, während er die Schülerinnen zum Ausziehen zwingt, von Regenmacherinnen oder ersten, ängstlich erwarteten Regelblutungen. So gelinge es der Autorin, den grausam-abstrakten Vorstellungen des Völkermordes ein konkretes, alltägliches Gesicht zu verleihen, lobt die Rezensentin, die deshalb auch die ein wenig zu "flach" geratene Figurenzeichnung und bisweilen durchblitzende Schulmeister-Manier gerne verzeiht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2014

Mit Interesse hat Angela Schader diesen Roman der ruandischen Autorin Scholastique Mukasonga, die in ihm auf den Völkermord vor zwanzig Jahren zurückblickt. Mukasonga erzählt von zwei Tutsi-Schwestern, die in ihrem kirchlichen Internat miterleben, wie Hass, Politik und Propaganda zur großen Katastrophe führen. Manchmal erscheint das der Rezensentin etwas forciert, auch stolpert sie mitunter über etwas stumpfe Erzählinstrumente, doch wenn die Autorin beschreibt, wie zwanglos die Schülerinnen zwischen europäischen Normen und afrikanischer Identität hin und her wechseln, dann ist sie ebenso gefesselt wie von den differenziert gezeichneten Figuren, deren "farbige Assemblage" nicht darüber hinwegtäuschen kann, welches Gewaltpotenzial hier unterschwellig brodelt.
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