Gilbert Adair

Träumer

Roman
Cover: Träumer
Edition Epoca, Zürich 2003
ISBN 9783905513318
Gebunden, 167 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Schlachter. Guillaume, seine Zwillingsschwester Danielle und Matthew, ein befreundeter, amerikanischer Student, stehen vor den geschlossenen Türen der Cinematheque Française. De Gaulles Kulturminister Andre Malraux hat diesen vermeintlichen Hort der Konspiration schließen lassen. Die drei cinephilen Protagonisten ziehen sich darauf Schritt für Schritt aus dem hochpolitisch gewordenen, studentischen Umfeld zurück - zurück in eine immer hermetischer werdende Welt der Lust und der Begierde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003

Die Zwillinge Isabelle und Theo zeihen sich mit ihrem amerikanischen Freund Matthew in ihre Wohnung zurück und spielen dort mit zunehmender "monotoner Besessenheit" Kinoszenen nach, während draußen auf der Straße der "Pariser Frühling" von 1968 seinen Lauf nimmt, erzählt Yvonne Gebauer. Der Roman sei in einer ersten Fassung bereits 1988 erschienen und gerade von Bernardo Bertolucci verfilmt worden, teilt die Rezensentin weiter mit. Sie versteht die seltsam träumerische Existenz der drei Figuren als "ins Innere verlegte Parallelaktion" zur politischen Situation der Zeit und sieht sich nicht zuletzt durch die inzestuöse Beziehung des Zwillingspaars an die "schrecklichen Kinder" von Cocteau erinnert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2003

Mit großer Sympathie schreibt Thomas Hermann über diesen 1988 erstmals erschienenen Roman - wohl vor allem, weil seine drei Helden Cinephile sind. Nur das Kino zählt für sie. Gilbert Adair erzählt das "atemberaubend" mit "filmartigen Cuts", lobt Hermann. Was für ein Schock, als Kulturminister Andre Malraux plötzlich die Cinematheque schließen lässt. Die drei Helden des Romans, erzählt Hermann, ziehen sich in eine Wohnung zurück und pflegen ihre Dreiecksbeziehung. Dies werde eher "langatmig" beschrieben, bis plötzlich ein Stein durchs Fenster fliegt. Es ist der Mai 68. Die drei ziehen auf die Straße, und, so unser Rezensent, "einmal mehr mündet ein Gedankenexperiment aus dem Labor des Gilbert Adair in ein fatales Finale".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2003

Der Roman spielt in Paris, auch wenn der Autor mit dem französisch klingenden Namen in London lebt und auf Englisch schreibt. "Träumer" ist die Überarbeitung eines bereits 1988 unter dem Titel "The Holy Innocents" erschienenen Romans, der sich mit einer gewissen Betulichkeit anlässt und eingangs wie ein Roman des 19. Jahrhunderts wirkt, so Elmar Schenkel. Es bleibt nicht beschaulich, verrät der Rezensent, denn die drei jugendlichen Protagonisten, allesamt "Filmratten", verwandeln die elterliche Wohnung in eine Camera obscura, in der die "Phantasie an die Macht" drängt, wie Schenkel schreibt, eine Fantasie, die allerdings auch nicht besser als die Wirklichkeit ist, die auf einmal durch einen Steinwurf der 68er von außen eindringt. Der Rezensent fühlt sich hier und da an Milan Kundera erinnert, ohne dass Adairs "Träumer" Kunderas "politisch-existentielle Vertiefung" erreichen würde. Mehr ein "Abgesang auf die Spaßgeneration", vermutet Schenkel.
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