Gilad Margalit

Die Nachkriegsdeutschen und 'ihre Zigeuner'

Die Behandlung der Sinti und Roma im Schatten von Auschwitz
Cover: Die Nachkriegsdeutschen und 'ihre Zigeuner'
Metropol Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783932482380
Taschenbuch, 304 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von David Ajchenrand und Matthias Schmidt. Wie gingen Staat und Gesellschaft in Deutschland nach 1945 in West und Ost mit den Nachwirkungen der Verfolgung von Sinti und Roma im Dritten Reich um? Der israelische Historiker Gilad Margalit zeichnet die im deutschen Nachkrieg vorhandenen Tendenzen und Elemente des amtlichen, gesellschaftlichen und kulturpolitischen Umgangs mit den Zigeunern und deren Verfolgung nach. Die Entschädigungspolitik beider deutschen Staaten gegenüber Sinti und Roma, die Haltung der bundesdeutschen Justiz zu den an der Gestaltung der NS-Verfolgungspolitik beteiligten "NS-Rassenforschern" und ihren Opfern sowie die Zigeunerpolitik von Polizei und Innenministerien der einzelnen Bundesländer werden eingehend analysiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.05.2002

Auch wenn die Anzahl der deutschsprachigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen über den Völkermord an den Roma und Sinti im Dritten Reich zugenommen hat und zumindest - bei aller Unvergleichbarkeit - die Tragik des Völkermords dem Genozid an den europäischen Juden inzwischen anerkannt ist, "verblüfft" die über den engen Zeitrahmen des Dritten Reichs hinausgehende Studie des israelischen Historikers Gilad Margalit die Rezensentin Dagmar Pöpping mit neuen Ergebnissen: Demnach gibt es eine Kontinuität der rassistisch begründeten bundesdeutschen "Zigeunerpolitik" durch Polizei und Innenverwaltung, die bereits vor 1933 einsetzte und nach 1945 in der Entschädigungspolitik fortwirkte. Margalit beschäftigt sich vor allem mit der Radikalisierung der Verfolgung vor 1933, so Pöpping. Nachdrücklich betont die Rezensentin, dass man zu dieser Studie auch das Buch von Heike Krokowski "Die Last der Vergangenheit" lesen sollte, wenn man die soziale Realität der Zigeuner, das "Ausmaß der Vorurteile und politischen Traditionen" erfassen will.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2001

Herbert Heuss stellt drei neue Publikationen des Berliner "Zentrums für Antisemitismusforschung" zur Minderheitenproblematik in der Bundesrepublik am Beispiel von Sinti und Roma vor. Alle arbeiteten heraus, in welcher Weise Stereotypen des "Zigeuners" auch während der Nachkriegszeit das Verhalten der Bevölkerung und politischer Institutionen prägten.
1.) Gilad Margalit: "Die Nachkriegsdeutschen und 'ihre Zigeuner'"
Margalit führe aus, wie überkommene Argumentationsmuster gegenüber Sinti und Roma auch nach dem Kriege zu einer Bagatellisierung der nationalsozialistischen Verbrechen verwendet wurden. Gleichzeitig widerspreche er dem 'quasi-jüdischen Narrativ', der Bestimmung der NS-Zigeunerverfolgung als Genozid und damit ihrer Gleichsetzung mit der Judenvernichtung. Dabei allerdings verfiele der Autor einer "literarischen Geschichtsschreibung".
2.) Peter Widmann: "An den Rändern der Städte"
Genauere, lokal ansetzende Untersuchungen fänden sich bei Peter Widmann, der die Wirksamkeit stereotypisierter Wahrnehmungsformen am Beispiel der Kommunalpolitik der beiden Städte Freiburg und Straubing beschreibe. Er unterscheidet dabei laut Rezensent vier Phasen, von der Vertreibungsphase der 50er Jahre bis hin zu integrativen Modellprojekten der Gegenwart.
3.) Brigitte Mihok: "Zurück nach Nirgendwo"
Brigitte Mihok konfrontiere das Verhalten Berliner Behörden gegenüber bosnischen Roma-Flüchtlingen konkret mit Berichten einzelner Betroffener.
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