Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.08.2001
Insbesondere der jungen Generation mit ihrem gesteigerten Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Holocaust will Birgit Weidinger das Buch ans Herz legen, weil es, wie sie schreibt, ausführlich ein Thema erörtert, "dessen Behandlung im Vergleich zur monströsen Nazi-Politik der Juden-Ausrottung im Hintergrund geblieben ist." Dass der Autor dabei die unabdingbare Differenzierung zwischen den Opfergruppen vornimmt, ohne jedoch das Schicksal der nichtjüdischen Opfer zu verharmlosen, hebt die Rezensentin hervor, und auch, dass der Band zeigt, "wie sehr der Umgang mit der Volksgruppe der Zigeuner stets mit Vorurteilen besetzt war." Zugute hält Weidinger der auf umfangreichen Quellenstudien aufgebauten Arbeit ferner die Bewältigung einer wahren Fleißaufgabe, "weil das Material über die Behandlung von Zigeunern im Dritten Reich rar und verstreut ist."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2001
Der Historiker Hans Mommsen bespricht mit großem Respekt Guenther Lewys Buch über die Zigeunerverfolgung im Dritten Reich, das auch zur Debatte um das sogenannte Holocaust-Denkmal Stellung bezieht, insofern der Autor der diesbezüglich vom Zentralrat der Sinti und Roma vertretenen Position widerspräche. Denn Lewy, so Mommsen, komme zu dem Schluss, nicht ohne all die schmerzlichen und leidbringenden Maßnahmen des NS-Regimes zu benennen, dass es nicht die Absicht der NS-Ideologen gewesen sei, die Zigeuner durch einen Genozid völlig auszulöschen. Deportiert wurden überwiegend Zigeunermischlinge, während "reinrassige" Zigeuner auf Himmlers Befehl von der Deportation ausgenommen blieben. Einen überzeugenden Grund für diese Entscheidung nennt Mommsen nicht, außer dass die Zigeunerfrage eben hinter die "Lösung der Judenfrage" zurückzutreten hatte. Mommsen betont den lebendigen und anschaulichen Charakter von Lewys Geschichte der Zigeunerverfolgung, die dieser kritisch in den nationalsozialistischen Gesamtkontext einordne. Auch bundesrepublikanische Versäumnisse werden laut Mommsen beim Namen genannt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.05.2001
Es gibt nur wenige umfassende Darstellungen über das Schicksal der Sinti und Roma während der NS-Zeit. Höchste Zeit also, meint Elke Schubert, dass der US-amerikanische emeritierte Politologe Guenther Lewy, in Breslau geboren und über Palästina in die USA emigriert, diese Forschungslücke geschlossen hat, lobt die Rezensentin. Doch stört sie, dass der Autor Sinti und Roma durchgängig mit dem abwertend gebrauchten Begriff "Zigeuner" bezeichnet, auch wenn er zu Recht darauf verweise, dass mehrere Vertreter dieser Ethnie selbst darauf Wert legten. Schubert bedauert zudem, dass Lewy einen wichtigen Bericht eines Zeitzeugen - "Das Brennglas" von Otto Rosenberg - in seine Untersuchung nicht miteinbezogen hat. Spärliche Aktenbestände der Archive und die sogenannten "Zigeunerpersonenakten" der Nationalsozialisten bildeten stattdessen die Grundlage des Autors. Trotz dieser Schwächen hält Schubert Lewys Buch für wichtig und lesenswert, denn die Verfolgung der Sinti und Roma werde so endlich in einen zeitgeschichtlichen Kontext gestellt und den Opfern selbst eine kleine späte Gerechtigkeit zuteil.
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