Gilad Elbom

Scream Queens am Toten Meer

Cover: Scream Queens am Toten Meer
Rogner und Bernhard Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783807700601
Gebunden, 302 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Auf einem Hügel oberhalb von Jerusalem steht ein Irrenhaus. Dort versieht Gilad Elboms namenloser Erzähler die Spätschicht: Ein junger Mann allein mit seinen Patienten, Juden wie Arabern. Ein Haufen traurig-komischer Gestalten ist das, die der Erzähler mit Tabletten und absurden Fragen ruhig zu stellen sucht und die doch immer das letzte Wort behalten: Hast du Robinson Crusoe gelesen? Nein, aber ich habe von ihm gehört: Ein berühmter Jude, und Freitag war Araber. Ich dachte, wir wollten nicht über Politik reden. Das sehe ich genauso. Sind die Patienten dann endlich im Bett, darf sich der Erzähler mit dem beschäftigen, was ihn wirklich interessiert: Linguistik und Heavy Metal, gälische Spaltsätze bei Flann OBrien und Tautologien in Motörheads Killed by Death. Nur die Mutter nervt, die ihren Sohn drängt, endlich zum Studium ins Ausland zu gehen. Und die Freundin, die ihm mit politischer Polemik und sexuellen Phantasien in den Ohren liegt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2005

Heavy Metal, Patienten in der Nervenklinik, englische Literatur des 18. Jahrhunderts, blutige Bilder von Selbstmordanschlägen, Sexspiele mit der experimentierfreudigen Freundin: Gilad Elboms erstes Buch ist ein "zynischer, schnell geschnittener Roman", befindet Kolja Mensing, der den Szenenwechseln des Erzählers sehr gern gefolgt ist. Es geht um einen jungen Mann, der - wie der in Los Angeles lebende Autor selber - vor den unerträglichen israelischen Realitäten flüchtet: in die geschlossene Anstalt, in der er arbeitet, in die Lektüre des Inselbewohners Robinson Crusoe, in die möglichst aggressive Musik. Mensing meint: ein Lob für einen "zutiefst resignierenden Bericht aus einer Gesellschaft, die ihr Leiden an der eigenen Geschichte perfekt inszeniert", wie Mensing schreibt, "und die sich gleichzeitig der Illusion hingibt, dass irgendwann auch in Jerusalem oder Tel Aviv ein ganz normaler Alltag einkehren könnte".
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