Lavie Tidhar

Osama

Roman
Cover: Osama
Rogner und Bernhard Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783954030149
Gebunden, 400 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Juliane Gräbener-Müller. Joe ist ein Detektiv, wie er in vielen Büchern steht: wortkarg, hart im Nehmen, mit einer Vorliebe für Whiskey und einer Schwäche für schöne Frauen. Als eine solche ihn beauftragt, den Autor der Groschenromanserie "Osama bin Laden" aufzuspüren, beginnt ein ebenso gefährlicher wie undurchschaubarer Fall. Auf der Suche reist Joe um die Welt, ermittelt im Pariser Halbweltmilieu, in Londoner Privatclubs und Opiumhöhlen und auf einer Osama-Fan-Convention in New York. Auf seinen Fersen: die brutalen Agenten einer unbekannten Behörde. Wer Joe hilft, stirbt. Die Hure in Paris, die sich vor seinen Augen auflöst, der Privatdetektiv in London, der erschossen wird. Doch je näher Joe dem Autor kommt, desto größer wird das Rätsel um ihn, und Fragen drängen sich auf, die Joe lieber nicht stellen würde: Ist wirklich alles in den Osama-Romanen nur Fiktion? Und: Ist er selbst der, der er zu sein glaubt?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.08.2013

Der israelische Schriftsteller Lavie Tidhar hat einen "bemerkenswerten Zwitter von einem Roman" geschrieben, wundert sich Sylvia Staude. In "Osama" bekommt Privatdetektiv Joe den Auftrag, nach dem Autor einer Groschenromanreihe zu suchen - "Osama bin Laden: Vergelter" heißen die Hefte, Mike Longshott der Gesuchte, berichtet die Rezensentin. Ein merkwürdiger Geheimdienst, das "Komitee für Gegenwärtige Gefahr", kurz KGG, versucht seinerseits, ihn davon abzubringen und nimmt ihn schließlich gefangen. Die Agenten fragen ihn über Informationen aus, die er möglicherweise von "Drüben" mitgebracht haben könnte, und spätestens als in einem Nebensatz auch noch der französische Präsident Saint-Exupéry vorkommt, ist klar, dass der Roman in einer Parallelwelt spielt, erklärt Staude. In Träumen erreichen Joe allerdings Visionen aus dem "Irrwirren-Land", in dem Kabul zerbombt ist, Passanten dünne weiße Kabel aus den Ohren kommen und Menschen bei Anschlägen gestorben sind - "Irrwirren-Land": ein ziemlich treffender Name für unsere Realität, findet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.07.2013

Eine Umkehr der ontischen Ebenen scheint der israelische Autor Lavie Tidhar laut Tobias Gohlis in "Osama" zu vollführen. Gohlis zufolge spielt der Krimi nämlich in einer Welt, in der der hartgekochte, whiskeyaffine Privatdetektiv real ist, die terroristischen Anschläge auf US-Botschaften, das World Trade Center und die Londoner U-Bahn jedoch der Inhalt einer von einem Pariser Verlag herausgegebenen Schundliteraturreihe. Äußerst radikal, originell und anregend findet der Rezensent das ganze, zumal Tidhar nebenbei die abgedroschene Detektivfigur "aus den szientistischen Fesseln des 19. Jahrhunderts" befreie.

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