Gianni Celati

Fata Morgana

Roman
Cover: Fata Morgana
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783803132055
Gebunden, 221 Seiten, 19,50 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Marianne Schneider. In diesem außerordentlichen Buch fordert Celati unsere Phantasie heraus, indem er von Orten und Menschen erzählt, die uns unbekannt sind und nichts mit unserem Leben zu tun haben. Oder vielleicht doch? Ein Roman über Sinnestäuschungen und die Fallen, die sie uns stellen. Zum Beispiel die, dass wir uns an der Spitze des Fortschritts befänden. Oder die, dass wir unverwechselbar seien.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.02.2007

Nach der Lektüre ahnt Jutta Person, warum die Tropen traurig machen. In Gianni Celatis Buch nämlich erkennt die Rezensentin mehr als einen fiktiven Reisebericht mit "fein ziselierten Ruinenbildern". Auf Besuch beim Wüstenvolk der Gamuna sichtet Person eine Falle, denn Celati stellt das Wüstenvolk zunächst einmal so phlegmatisch dar, dass sich das "zerstörerische Überlegenheitsgefühl des Westens" bestätigt fühlen kann. Doch die Gegensätze zwischen den aktiven Zivilisierten und den passiven Gamuna machen schnell klar, dass es sich bei dem Text um eine, wenngleich empirisch fundierte (Celati war selbst als ethnologischer Filmer unterwegs) Parodie eines Reiseberichts handelt. Zum Glück findet Person auch Verlässliches, wie die Anleihen bei Calvino oder Ethnologisches zum Thema Mythos, Inzest und Ähnliches. Alles in allem möchte Person von dem Buch als von einer melancholisch gefärbten "Versuchsanordnung" sprechen, in der Zivilisation und Barbarei, vermittelt durch eine "elaboriert-schlichte" und "kongenial" übertragene Sprache und einen genauen Stil, einen surrealen Tanz aufführen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2006

Gianni Celati, hält Rezensent Winfried Wehle erst einmal fest, ist einer der wenigen wirklich Großen der italienischen Gegenwartsliteratur. Dies nun, hat er verkündet, werde sein letztes Buch und Vermächtnis sein. Wehle würde das, wäre es tatsächlich so, wohl bedauern, denn auf dieses Buch hält er sichtlich große Stücke. Erzählt wird quasi-ethnologisch von einem Ort in der Wüste und dem Stamm der Gamuna, der dort lebt. Oder vegetiert. Denn diese Menschen, Primitive, sind ganz dem Verfall verfallen - in allen ihren Riten zeigt es sich, von der Taufe mit Exkrementen zur üblichen Verwesung im Freien. Heimgesucht werden sie gelegentlich von der Zivilisation und den Zivilisierten, die die Wilden von Hubschraubern abschießen und die Frauen in Bordelle entführen. Die Erzählkonstruktion ist so gebaut, dass einer ethnologische Berichte über die Gamuna studiert, und nicht recht schlau draus wird. Und der Autor kommt namentlich auch vor im Buch, als einer, so Wehle, der schelmisch aus diesen Deutungsangelegenheiten sich heraushält. Nicht nur für diese Klugheit scheint ihn der Rezensent durchaus zu bewundern.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006

Vom Autor gezielt verunsichert fühlte sich Maike Albath bei der Lektüre des literarischen Versuchs von Gianni Celati, mit einem fiktiven ethnografischen Abenteuerroman-Setting die Gratwanderung zwischen der lustvollen Parodie einer anthropologischen Studie und der weisen Einsicht eines philosophischen Romans zu wagen. Dem Lesevergnügen und der erbaulichen Versenkung in detailliert-versponnene Beschreibungen des erfundenen afrikanischen Volkes der Gamuna tat diese Irreführung jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil: angesteckt von der Faszination einer ironisch-nüchternen Faktensammlung, die letztlich auf eine Celatische Neudeutung des phantastischen Genres hinausläuft, empfiehlt die Rezensentin allen Freunden der Pseudowissenschaftssatire, die zudem nicht auf einen linearen Handlungsstrang bestehen, den anspielungsreichen Spaß mit der "Fata Morgana".
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