Luigi Malerba

Römische Gespenster

Roman
Cover: Römische Gespenster
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783803132116
Gebunden, 232 Seiten, 19,50 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Iris Schnebel-Kaschnitz. Dabei hat alles mit einem Witz begonnen. Clarissa kommt ihrem Mann auf die Schliche, weil sie aus dem Mund einer anderen einen Witz hört, den sie sofort wiedererkennt. Was tun? Die kluge Clarissa wartet erst einmal ab und schreitet dann zur Rache. Gesprochen wird in ihrer Ehe nicht, aber gelesen. Der Gatte Giano, Städteplaner und mit der Dekonstruktion in Großstädten beschäftigt, hat daher eine listige Idee: Er bringt die Affäre peu a peu zu Papier. Und natürlich läßt Giano die beschriebenen Seiten so in der Wohnung herumliegen, daß Clarissa sie finden und lesen muß Luigi Malerba läßt diesmal seine Figuren unglaubliche Wechselbäder durchleben. Einmal erzählt er, einmal sie, so daß wir die gleichen Ereignisse aus dem Blickwinkel der Frau und des Mannes erleben. Ist es wirklich dieselbe Ehe? Ein großer Eheroman über unausgesprochene Gefühle, subtile Beziehungskämpfe, Liebe und Lebensweisheit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2007

Hingerissen zeigt sich Andrea Neuhaus von Luigi Malerbas neuem Roman "Römische Gespenster", auch weil es der inzwischen achtzigjährige Autor noch immer versteht, den Leser zu überraschen. Zwar stellt die Rezensentin bei der Konstruktion des Romans um eheliche Untreue und Verwicklungen einmal mehr die für Malerba typische formale Experimentierfreude fest, wenn dieser seinen untreuen, römischen Urbanistikprofessor einen an seiner Ehe orientierten Roman über ein sich betrügendes Ehepaar schreiben lässt, den die Gattin liest, um sich dann mehr und mehr ihrer romanhaften Darstellung anzugleichen. Doch dient diese Reverenz an mittlerweile nicht mehr ganz so moderne Romantheorien in ihren Augen vor allem als Kulisse für die "seelischen Exzesse" seiner Figuren. Dabei zeichnet sich das Werk für sie durch Eleganz, Esprit und Leichtigkeit aus, die die Lektüre zu einem Genuss machen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2007

Mit "Römische Gespenster", seiner an amourösen Verwicklungen überreichen Ehegeschichte, erweist sich Luigi Malerba einmal mehr als mit allen Wassern der formalen Virtuosität gewaschener Meister, schwärmt Maike Albath. Dass er in der Geschichte von Giano und Clarissa, die sich gegenseitig betrügen und deren ehelichen Abwege sich immer wieder kreuzen und dadurch immer mehr Tempo in das Geschehen bringen, nicht nur die eigenen avantgardistischen Bestrebungen von früher, sondern auch das römische Leben von heute augenzwinkernd verspottet, findet die Rezensentin sehr amüsant. Als Vertreter der literarischen Avantgarde in Italien, der "Gruppo 63", die sich gegen neorealistische Strömungen nach dem Zweiten Weltkrieg wandte und nach innovativen Erzählformen strebte, lässt es sich Malerba nicht nehmen, eine zweite Ebene in Form eines Romans über die verschiedenen Paar-Beziehungen in seine Geschichte einzubauen, den Giano schreibt und den seine Frau heimlich liest, so die Rezensentin, die an diesem an Arthur Schnitzler erinnernden boshaften "Liebesreigen" ihre helle Freude hatte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.05.2007

Rezensentin Kristina Maidt-Zinke stellt erleichtert fest, dass Luigi Malerba sich mit seinem Roman "Römische Gespenster" von allzu ambitionierten Konstruktionen wieder abgewendet und hier zu seiner alten, angenehm lockeren und dabei dennoch konzentrierten Form zurückgefunden hat. Ganz auf sein Faibel für raffinierte Plots verzichte der italienische Autor allerdings nicht: In der Ehegeschichte betrügen sich der Urbanistikprofessor Giano und seine distinguierte Ehefrau Clarissa wechselseitig, während gleichzeitig Giano an einem Roman schreibt, der die Geschichte eines Ehepaares erzählt, das sich wechselseitig betrügt, erzählt die Rezensentin. Wie genau sich Malerba, immerhin schon 80 Jahre alt, in das deutlich jüngere Paar einzufühlen weiß, erfüllt die Rezensentin mit Bewunderung. Auch zeigt der Roman,der hinter der frivolen und lebensfrohen Fassade der bürgerlichen Protagonisten die Abgründe hervor scheinen lässt, wie gut Malerba sich in dieser Gesellschaftsschicht auskennt, meint Maidt-Zinke angetan. Nur das Ende, das die Rezensentin natürlich nicht verrät, findet sie in seinem Pathos reichlich enttäuschend, überdeckt aber insgesamt nicht ihre Freude an diesem Buch.
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