Gian Marco Griffi

Die Eisenbahnen Mexikos

Roman
Cover: Die Eisenbahnen Mexikos
Claassen Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783546100847
Gebunden, 800 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Verena von Koskull. Italienische Sozialrepublik, 1944: Aus den höchsten nationalsozialistischen Kreisen in Berlin erreicht den Unteroffizier Cesco Magetti der Befehl, einen vollständigen Plan des mexikanischen Eisenbahnnetzes zu erstellen. Eine in den Tiefen des Landes versteckte Wunderwaffe soll dem Reich den Endsieg bescheren. Cesco macht sich auf die Suche, wobei sein Weg ihn auf die eine oder andere Weise zu zahlreichen wundersamen Menschen führt, die sich manchmal sogar als hilfreich erweisen. Darunter die folgenden: Tilde Giordano, eine wunderschöne Literaturliebhaberin, der Cesco sofort und unwiderruflich sein Herz schenkt - Steno, Tildes treuer Freund, ein Partisan ohne Waffen - Don Tibeno, ein Stadtpfarrer, der wegen gewisser wahnsinniger Leidenschaften hinter Gittern sitzt - Bardolf Graf, ein Verwaltungsangestellter, der ahnungslose, unbewegliche Motor der ganzen Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.11.2024

Alle Einwände, die man gegen diesen Roman aufbringen könnte, schmelzen dahin, findet Rezensent David Hugendick, angesichts der ansteckenden Erfindungsgabe und literarischen Reichhaltigkeit dieses Mammutwerks. Geschrieben hat es Gian Marco Griffi und im Zentrum steht Cesco Magetti, ein junger Soldat, der im Mussolini-Italien des Jahres 1944 an Zahnschmerzen leidet und den Auftrag erhält, ausgehend womöglich von der höchsten Nazi-Macht, das Eisenbahnnetz Mexikos kartographisch zu erfassen. Das ist allerdings nur mithilfe eines Buches möglich, das irgendwo im Piemont versteckt ist. Eben dort, und damit in der Heimat des Autors, spielt dieser Roman, den Hugendick als einen bunt glitzernden Abenteuerspielplatz von einem Buch beschreibt, einem Buch, das sich in epischer Manier dem Nebensächlichen widmet, begonnen bei dem ausnehmend unbedeutenden Protagonisten, dem eine Reihe weiterer Nebenfiguren der Weltgeschichte zur Seite gestellt werden. Hugendick würdigt die Vielseitigkeit des Stils Griffis, der Ironisches mit Melancholischem zu vermischen und Bildungsgut perfekt zu verkalauern versteht. Man könnte dem Roman, gesteht Hugendick ein, seine Ambitioniertheit zum Vorwurf machen, oder auch die Einflüsse der offensichtlichen Vorbilder wie Roberto Bolaño und Jorge Luis Borges betonen, aber warum sollte man dies tun. Besser, findet der Rezensent, man liest das Buch langsam und aufmerksam, um nichts von seiner Komik zu verpassen. Dann erkennt man, schließt die durchweg euphorische Rezeption: So und nicht anders schaut Weltliteratur aus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2024

Viel Lesefreude hat Rezensent Thomas Steinfeld an Gian Marco Griffis Buch, das keineswegs ein Historienroman ist. Dabei hat die Geschichte ein historisches Setting, lesen wir: Wir befinden uns zunächst im Jahr 1944 und im Piemont, wo die Hauptfigur Cesco von den Faschisten den Befehl erhält, eine Karte des Eisenbahnnetzes Mexikos zu beschaffen. Auf dieser Karte soll, fährt die Nacherzählung fort, ein geheimnisumrankter Ort verzeichnet sein, der zum Zentrum der zahlreichen Intrigen und Geschichten wird, die dieses Buch versammelt. Gleichzeitig jedoch ist das Buch laut Steinfeld gesättigt mit Verweisen auf den Handlungsort, das Piemont, die gute Übersetzung durch Verena von Koskull vermittelt einen Eindruck von dem Lokalkolorit, das das Buch auch in sprachlicher Hinsicht prägt. Griffi verbirgt in seinem umfangreichen Roman Verweise auf zahlreiche andere literarische Werke, beschreibt der Rezensent, und ist seinerseits offensichtlich von Autoren wie Italo Calvino, Umberto Eco und Roberto Bolaño beeinflusst. Dabei aber, betont Steinfeld, ist Griffis Buch selbst äußerst originell, in der Art, in der es das Illusionäre hinter dem Realismus aufscheinen lässt. Insgesamt ein außergewöhnliches, lesenswertes Buch über das Verhältnis der kleinen Leute zur großen Geschichte, so das äußerst positive Fazit.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.09.2024

Gut unterhalten fühlt sich Rezensent Maximilian Mengeringhaus von Gian Marco Griffis Roman schon, dennoch hat er auch kritische Anmerkungen. Im Zentrum der Handlung steht Cesco Magetti, erfahren wir, ein italienischer Soldat, der kurz vor der Niederlage Mussolinis den Auftrag erhält, eine Karte des Eisenbahnnetzes Mexikos anzufertigen. Für diese sonderbare Mission benötigt er ein Buch, dem er im Folgenden vergeblich hinterher hetzt, erläutert Mengeringhaus, außerdem verliebt er sich in eine Frau namens Tilde. Daneben etabliert Griffi ein Sammelsurium weiterer skurriler Charaktere, auch sprachlich ist der Roman ausnehmend vielseitig, findet Mengeringhaus. Wenn Griffi freilich auf Teufel komm raus auf Jorge Luis Borges und Roberto Bolaño macht, verhebt er sich, ärgert sich der Rezensent. Vor allem, weil es ihm, anders als Bolaño, nicht gelinge, einen spielerischen Umgang mit Geschichte zu etablieren, der dennoch die Realität der Gewalt anerkenne. Mengeringhaus fühlt sich vielmehr in Passagen, die den NS auf die Schippe zu nehmen versuchen, an Asterix erinnert, und das trübt die Lesefreude doch ein wenig.

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