Benito Mussolini gründete seine Diktatur auf Gewalt und Propaganda. Zur Selbststilisierung gehörten die fast täglichen Audienzen, über die man bisher wenig weiß. Auch viele Deutsche bemühten sich zwischen 1923 und 1943 um einen Empfang beim Duce, wie Wolfgang Schieder anhand der vollständig erhaltenen Audienzlisten nachweist. Die hier vorgelegten Berichte über ihre Gespräche mit Mussolini lassen zweierlei erkennen: Mussolini inszenierte seine Audienzen minutiös und hatte damit auch erstaunlich großen Erfolg. Die Audienz als Propagandainstrument und Mittel zur Herrschaftsstabilisierung wird damit erstmals in den Mittelpunkt gerückt. Die Besucher aus der Zeit der Weimarer Republik sahen im Faschismus vor allem eine Alternative zum Nationalsozialismus, der ihnen mitnichten geheuer war, während die Führungskader des NS-Regimes dem Duce als ihrem Mentor huldigten und seinen Segen empfangen wollten. Viele Nationalsozialisten pilgerten selbst dann noch nach Rom, als die Schwäche des Faschismus längst offenbar geworden war.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013
Rainer Stephan findet in Wolfgang Schieders Buch über Mussolini nichts wirklich Neues. Er ist zwar beeindruckt von der im Buch enthaltenen Quellensammlung, die fast 200 Audienzberichte deutscher Besuche bei Mussolini enthält, merkt aber an, dass gerade die Wechselwirkung zwischen dem deutschen Nationalsozialismus und dem italienischen Faschismus bereits sehr ausführlich erforscht worden sei. Ihm fehlt eine genaue Analyse der vorliegenden, wie Stephan findet, sehr wertvollen, Quellen und eine Beantwortung der Frage, worin die Geheimnisse des Mythos Mussolini nun liegen. Wie also sogar Gegner des faschistischen Gedankenguts wie die Frauenrechtlerin Louise Diehl zu glühenden Verehrern des Duce werden konnten, dazu liefert Schieder nach Ansicht des Rezensenten keine wirklichen Klärungsversuche.
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