Gertraud Klemm

Aberland

Roman
Cover: Aberland
Droschl Verlag, Graz 2015
ISBN 9783854209638
Gebunden, 184 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Elisabeth, 58, versucht würdevoll zu altern. Ihr gutbürgerliches Leben ist am ehesten charakterisiert durch das, was sie alles nicht getan hat: sie hat nicht studiert und nicht gearbeitet, sie hat ihre Kinder nicht vernachlässigt und ihren Mann nicht mit dem Künstler Jakob betrogen, sie hat der Schwiegermutter nicht die Stirn geboten und stellt noch immer nicht den Anspruch, ins Grundbuch der Jugendstilvilla eingetragen zu werden. Mit Zynismus und verhaltener Selbstreflexion beobachtet sie das Altern der Frauen um sie herum. Und sie beobachtet ihre Kinder, vor allem Franziska, 35, die zu Wutausbrüchen neigt, mit den Anforderungen der Gesellschaft an ihre Mutterrolle hadert und die theoretische Gleichberechtigung von Mann und Frau im Alltag nicht einlösen kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.08.2015

Nach "Herzmilch" ist nun mit "Aberland" ein zweiter Roman der österreichischen Autorin Gertraud Klemm erschienen ,und Rezensentin Cornelia Fiedler ist zufrieden. Denn diese Geschichte um die unglücklich verheiratete, 58-jährige Elisabeth, die sich mehr schlecht als recht in ihr Hausfrauen- und Gattinnendasein einfügt und ihre ebenfalls nicht gerade glücklich emanzipierte Tochter Franziska, erscheint der Kritikerin als ebenso "provokantes" wie frustrierendes Porträt zweier Mittelschichtsfrauen, die sich ihre Abhängigkeiten selbst auferlegt haben. Dank der wunderbar boshaft-komischen Tiraden der Frauen schaut die Rezensentin auch gern über die etwas gemächliche Handlung hinweg.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.06.2015

Nein, Rezensentin Anna-Lena Scholz kann mit diesem Roman nichts anfangen. Autorin Gertraud Klemm kann schreiben, daran liegt es nicht, versichert sie. Der Ton dieses Romans über zwei mit ihrem Leben unzufriedene Mittelstandsfrauen erinnert sie an die elegante Prosa Jelineks und Streeruwitz'. Umso frappierender empfindet sie die beiden Hauptfiguren: gebildet, wohlhabend - und trotzdem völlig unfähig, ihr Leben zu ändern. Wie kann das sein, fragt sie entsetzt. Warum sind diese beiden trotz Frauenbewegung zu nichts anderem fähig als "larmoyanter Selbstbegrenzung"?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2015

Mit Gertaud Klemms neuem Roman "Aberland" geht Rezensentin Rose-Maria Gropp hart ins Gericht. Von Feminismus scheint die Autorin nie gehört zu haben, überhaupt scheint ihr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern fremd, meint die Kritikerin, die das Werk nicht mal als moderne Version von "weiblichem Masochismus'" lesen will. Mit viel Unwillen folgt sie der Enddreißigerin Franziska, die frei von jeder Selbstbestimmung über ihr Leben und die Gesellschaft zetert, und ihrer Mutter Elisabeth, die als Ich-Erzählerin ohne Vergangenheit und mit öder Gegenwart, mit scharfem frauenfeindlichen Blick ihre Geschlechtsgenossinnen analysiert. Gropp vermisst in diesem Buch, das durchaus ein paar charmante Beobachtungen enthält, jede Form von Ironie und liest letztendlich außer viel "Gegrantel" nichts, was sie auch nur ansatzweise in der Tradition "österreichisch-spezifischen Lamentierens" verorten könnte.