Fest steht nur: So groß wie die Sommer damals war nie mehr etwas auf der Welt! In Andreas Unterwegers Universum ist es eine Selbstverständlichkeit, dass eine Gruppe kleiner Buben samt ihrem Wortführer Biber in einem gelben Haus zwischen gelben Feldern lebt, und nur der Großvater und die Katze Mia leisten ihnen Gesellschaft. Hin und wieder taucht ein Waldläufer auf, der von geheimnisvollen und wilden Wildschweinen erzählt. Was da passiert? Nichts als dass die herrlichen Sommer, in denen man den ganzen Tag im (gelben) Fluss schwimmen kann, von frostigen Wintern abgelöst werden, in denen es aber immerhin Nikolaus und Weihnachten gibt. Ein unverschämter Wunschtraum, dessen Voraussetzungen anderswo abgehandelt werden: dort, wo mit höchster sprachlicher Präzision das Verhältnis zwischen den Dingen und den Begriffen untersucht wird, die Materialität der Wörter und die Schwierigkeiten des Verstehens (und Missverstehens): 'Und hier, in dieser gelben Schachtel, ist mein Geburtstagsgeschenk für dich: ein paar Radieschen', sagte Biber. 'Ein Paradieschen!', frohlockte das Mädchen. Poetischer Eigensinn als Kindheitsutopie, ganz ohne Rücksicht auf die 'Aufgaben der Literatur' - oder Wittgenstein als Kinderbuch, gewissermaßen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2016
Dieses Buch ist ein herrliches Abenteuer, schwärmt Rezensentin Beate Tröger, die sich gern auf Andreas Unterwegers Spiel mit herkömmlichen Leseerwartungen eingelassen hat. Inhaltlich streift die Kritikerin mit einem kleinen Jungen namens Biber durch das Dorf Hoboken, wo der Junge mit seinem Großvater und anderen Kindern in einem gelben Haus zwischen gelben Feldern lebt. Begeistert bemerkt sie, wie poetisch der Autor Kindheitserinnerungen und imaginierte Kindheitsträume verwebt und dabei nicht nur über eine virtuose Beobachtungsgabe verfügt, sondern auch mit Kunstgriffen und sprachphilosophischen Referenzen spielt. Ob Mottos zum Ausschneiden und Wiedereinkleben, grafisch abgesetzten Wiederholungen oder Fotos im Text - mit diesem Buch hatte die Kritikerin viel Vergnügen.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…