"Herzlichen Glückwunsch, K." Diese scheinbar harmlose Nachricht an den "Systemerhalter" Leidegger löst
einen gehörigen Ehestreit zwischen ihm und Martina aus. Dabei könnte alles so schön sein im selbstgeschaffenen
Vorstadtparadies mit der neugeborenen Tochter im trauten Heim. Die Palme im Vorgarten nicht zu vergessen!
Der Unruhestifter im Leideggerschen Eden ist keine Schlange, das Unglück steckt nicht in einem Apfelbiss,
es ist die besagte Nachricht, die eine Zeit voller Misstrauen einleitet. Die Beziehung des Ehepaars entwickelt
sich allmählich zu einer Art Stellungskrieg aus Vorhaltungen und Ausflüchten. Unfähig mit Martina
zu sprechen, redet sich Leidegger innerlich in Rage und wägt in Gedanken jeden Schritt und jede mögliche
Reaktion ab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2018
Rezensent Wolfgang Schneider lernt den Neurotizismus im idyllischen Eigenheim kennen mit Bernhard Strobels Roman. Dass der Autor nur aus der Perspektive des konservativen, überreflektierten Hausherrn schreibt, scheint Schneider zu bedauern. Auch den Umstand, dass die Figur nicht wirklich realistisch wirkt. Die Beobachtung des neurotischen Alltags gelingt dem Autor dafür laut Rezensent umso genauer. Schneider hat seine Freude an den "selbstschädigenden Reflexionsschleifen" der Figur, die sich in eine monströse, kafkaeske Ehekrise fast ohne Worte manövriert. Ein unwirkliches, schräges Vergnügen, meint Schneider.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.08.2018
Ulrich Rüdenauer leidet bei der Lektüre von Bernhard Strobels Debütroman. Das Kammerspiel um eine kaputte Ehe im Reihenhausidyll inszeniert der Autor laut Rezensent durchaus gekonnt mit kühlem, genauen Blick. Die Obsessivität des um die Ecke denkende Ehemannes, laut Rüdenauer ein Neurotiker vor dem Herrn, spiegelt sich für den Rezensenten in den "zwanghaft wirkenden" Sätzen des Textes. Der innere Monolog der Figur wirkt auf Rüdenauer mitunter zermürbend in seiner die Absurdität der Ehe wiedergebenden Gequältheit.
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