Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller. Als in der von deutschen Truppen besetzten Tschechei der SS-Obergruppenführer und General der Polizei von Bertsch von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer niedergeschossen wird, setzt das Dritte Reich 800.000 Reichsmark Belohnung für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. Als in der Nähe des kleinen Dorfes Dudicka ein verlassenes Motorrad am Uferrand geborgen wird, entsendet die Gestapo den berüchtigten SS-Offizier Heinz Horner, um eine Untersuchung einzuleiten und die Dorfbewohner Horners Repressalien auszusetzen. Vor historischem Hintergrund schuf der großartige Gerald Kersh 1943 unauslöschliche Bilder vom Hereinbrechen des Schreckens über eine unschuldige Dorfgemeinschaft, die bis heute nichts von ihrer dramatischen Wucht und Sprachkraft verloren haben.
Rezensent Elmar Krekeler scheint die deutsche Ausgabe des Buches von Gerald Kersh über das Massaker von Lidice zur richtigen Zeit zu erscheinen. Als Mittel gegen das AfD-Programm etwa. Dass ein Text so zeitnah zu dem behandelten Geschehen entstehen und überdauern konnte, scheint Krekeler an sich schon sensationell. Verblüffend und groß erscheint ihm der Roman durch seinen kühl glühenden Ton, seine Knappheit und Präzision. Dass der Autor nichts erklärt, sondern moralische Kämpfe erkundet und die von Heydrichs Kohorten hingemetzelte Dorfgemeinschaft, Liebende, Helden, Denunzianten und die Mörder auffächert und die Mechanik der Tat psychologisch genauer darlegt als manche geschichtswissenschaftliche Analyse, erfüllt den Rezensenten mit Respekt für ein Buch, dem er einen Platz ganz oben auf der Bestellerliste wünscht, idealerweise vor "Mein Kampf".
Frank Nowatzki und dem Verlag Pulpmaster gilt es tausendfach dafür zu danken, dass sie diesen Weltkriegs-Noir von Gerald Kersh ausgegraben haben, lobt Rezensent Tobias Gohlis. 1943 das erste mal veröffentlicht, erzählt "Die Toten schauen zu" die Geschichte der Nazi-Verbrechen im tschechischen Lidice, das Kersh als Idyll inszeniert, in das die Gewalt einbricht, erklärt der Rezensent. Überspitzt werden die Rechtfertiger des Völkermords parodiert, werden so skurrile wie schreckliche Szenen beschrieben, wird gekonnt der Wahn mit dem Wahnwitz verbunden, erzählt Gohlis, der diesen Noir uneingeschränkt empfiehlt.
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