Gerald Bronner

Kognitive Apokalypse

Eine Pathologie der digitalen Gesellschaft
Cover: Kognitive Apokalypse
C.H. Beck Verlag, München 2022
ISBN 9783406791284
Gebunden, 285 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Michael Bischoff. Wir sind reicher denn je. Zumindest gemessen an jener freien Zeit, in der wir ein Heilmittel gegen Krebs entwickeln, bedeutende Kunstwerke erschaffen und die Welt zu einem besseren Ort machen können. Doch wir laufen Gefahr, diesen kostbaren Schatz zu verspielen, lassen zu, dass die Verlockungen der digitalen Welt den Wettbewerb um unsere Aufmerksamkeit gewinnen. Wie werden wir also künftig diese begrenzte Ressource einsetzen, wenn davon nichts Geringeres als die Zukunft der Menschheit abhängt? 3,7 Stunden unserer wertvollen freien Zeit verbringen wir täglich vor Bildschirmen. Wir lesen Mails, schauen Videos, springen von einer Website zur nächsten, prüfen, wie viele Likes unser neues Profilbild hat, scrollen durch soziale Netzwerke, und selbst die Suche nach einem neuen Partner verlagert sich zunehmend in die digitale Welt. Wir swipen, klicken, liken, kommentieren und merken kaum, was es bedeutet, dass wir das Gros unserer freien Zeit in einer Welt zubringen, in der Hass, krude Theorien und Fake News oft mühelos Wahrheit, Wissenschaft und gute Argumente beiseiteschieben.
In seiner Pathologie der digitalen Gesellschaft erklärt der renommierte Soziologieprofessor Gérald Bronner, gestützt auf soziologische, psychologische und neurowissenschaftliche Erkenntnisse, was unser Verhalten in der digitalen Welt über uns und unsere tiefsten Sehnsüchte offenbart. Wie nutzen wir das Kapital unserer Aufmerksamkeit? Die digitale Welt absorbiert unsere Aufmerksamkeit, es bleiben wenig Ressourcen für höhere kognitive Funktionen Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab, wie wir mit dem wertvollsten Schatz, der freien Gehirnzeit, umgehen Ein wichtiges Buch für unseren Umgang mit der digitalen Welt

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.10.2022

Rezensent Josph Hanimann bleibt ein wenig unbefriedigt von dieser Untersuchung des französischen Anthropologen Gérard Bronner. Die "kognitive Apokalypse" versteht Bronner nicht als Untergang, wie Hanimann erklärt, sondern im ursprünglichen Sinne als "fundamentale Enthüllung": Bronner zufolge hat der Mensch heute so viel Gehirnzeit wie nie zuvor, also Zeit, die für Sinnvolles frei verfügbar wäre, die der Mensch aber nur mit "kognitivem Fastfood" am Bildschirm vergeude. Dass Bronner sich um Wissenschaftlichkeit bemüht und sich gegen antikapitalistische wie auch populistische Muster stellt, weiß Hanimann zu schätzen. Aber leider warte Bronner weder mit eigenen Erklärungen auf noch mit möglichen Auswegen. Immerhin lernt Hanimann: Wir schlafen zu wenig.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 30.09.2022

Vera Linß empfiehlt Gerald Bronners Buch als aufklärerische Handreiche für den Umgang mit den digitalen Medien. Wie unser Gehirn auf die Informations- und Datenflut reagiert, was getriggert wird, wenn wir liken oder im Netz auf bestimmte Wörter stoßen, erklärt der Soziologe laut Linß mit Thesen und Belegen aus Studien. Was ist zu tun? Bronners Tipp, zu kurz kommende Hirnregionen zu stärken und öfter mal wieder selbst zu denken, probiert Linß sofort begeistert aus.

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