Stefan Mey

Der Kampf um das Internet

Wie Wikipedia, Mastodon und Co. die Tech-Giganten herausfordern
Cover: Der Kampf um das Internet
C.H. Beck Verlag, München 2023
ISBN 9783406807220
Kartoniert, 236 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Mehr Freiheit und mehr Demokratie waren die großen Versprechen des Internets. Doch inzwischen konzentriert sich die Macht bei einigen wenigen Tech-Giganten. Dabei bietet das Netz selbst eine Lösung, um sein ursprüngliches Freiheitsversprechen zu bewahren: die nichtkommerzielle digitale Gegenwelt. Zu ihr zählen etwa die Online-Enzyklopädie Wikipedia, die Twitter (X)-Alternative Mastodon, der Browser Firefox oder der Messenger Signal. Es liegt an uns, wie stark wir die digitalen Herausforderer machen. Stefan Mey stellt in Porträts die Protagonist*innen, Ziele, Strategien und Geschäftsmodelle der digitalen Gegenwelt vor. Von ihnen gibt es weitaus mehr, als wir gewöhnlich denken. Sie sind die digitalen Gegenstücke von Greenpeace, Attac oder Amnesty International und formen die digitale Zivilgesellschaft. Um das Internet besser, fairer und freier zu machen, muss man nicht Informatik studieren, kein Start-up gründen und auch kein Hacker sein. Ist das der Beginn einer kleinen Revolution?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2024

"Eine andere digitale Welt ist möglich" - so eröffnet Stefan Mey sein Buch über den "Kampf um das Internet". Dass dieser Satz wahr ist, hat Rezensent Florian Coulmas hier gelernt. Daran zu glauben allerdings, dass aus dieser Möglichkeit Realität wird, fällt ihm schwer, da er um die gigantische Macht der großen IT-Konzerne weiß, ihre Mittel und Methoden kennt, und einschätzen kann, was dazu gehört oder gehören würde, um diese Macht zu brechen. Dass es viele kleinere und größere Initiativen gibt, die kontinuierlich und konsequent genau daran arbeiten, macht Coulmas allerdings auch leise Hoffnung. Mey stellt diese Initiativen und deren Projekte wie etwa die spendenfinanzierte Online-Enzyklopädie Wikipedia oder den nichtkommerziellen Browser Tor kompetent und gut verständlich vor, so Coulmas, schildert ihre Vorzüge und Schwachstellen und ihr Vorgehen in der Erschaffung einer "digitalen Gegenwelt", die Mey in ihren Grundzügen skizziert, auch wenn diese bislan gnur aus kleinen "Inseln des Gemeinguts" in einem Ozean voller Datenkraken besteht. Staatliche und juristische Maßnahmen, die aus diesem Ozean eine sichere Infrastruktur für alle machen könnten, lässt der Autor leider außer Acht. Trotzdem ist sein Buch äußerst aufschlussreich, so der aufgeklärte und leider nicht allzu optimistische Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.11.2023

Stefan Mey macht einen Anfang, und zwar einen sehr guten, findet Rezensentin Vera Linß - indem er seine Leserinnen und Leser einführt in die "digitale Gegenwelt" - jene Welt also, in der gemeinnützige Organisationen, Hackerinnen und Hacker, ehrenamtlich arbeitende Informatikerinnen und Informatiker Gegenentwürfe entwickeln zu den Angeboten der Tech-Giganten. Als "Bestandsaufnahme" solcher Open Source Projekte versteht der Autor sein gründlich recherchiertes Buch, doch es leistet mehr als das, so Linß: Der Autor sammelt hier nicht nur, sondern erklärt auch, wie die einzelnen Programme und Plattformen funktionieren, stellt einige der Entwicklerinnen und Entwickler einzeln vor und macht mit seinen Interviews neugierig auf deren Arbeit und deren Projekte. Außerdem versäumt er nicht, die Verbindungen jener Gegenwelt zur den profitorientierten Großkonzernen anzusprechen und zu kritisieren, zu denen man doch die Alternative sein will. Warum trotz zahlreicher Alternativen immer noch so viele Userinnen und User bei Google, Twitter, Meta, Microsoft bleiben, analysiert Mey leider nicht, hier können, sollten, werden andere anknüpfen, hofft die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2023

Rezensent Günter Hack lernt mit Stefan Meys Buch allerhand über die Konkurrenz von Internet-Konzernen, über freiwillige und unfreiwillige Joint-Ventures zwischen Kommerz-Giganten wie Google und "freien" wie Mozilla und über "digitale Gegenwelten". Letztere kann Hack zwar nicht erkennen, scheinen ihm Linux und Co. doch genauso Teil des Internets zu sein wie Amazon oder Facebook, von solchen begrifflichen Einwänden einmal abgesehen findet Hack den Band allerdings höchst spannend. Mey stellt Organisationsformen und Geschichte von Projekten wie Wikipedia oder Signal dar, befragt Mediensoziologen und Macher und denkt über den Sozialstaat als Motor für freie Projektarbeit nach. Lehrreich, findet der Rezensent.

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