Georgi Gospodinov

Physik der Schwermut

Roman
Cover: Physik der Schwermut
Droschl Verlag, Graz 2014
ISBN 9783854208495
Gebunden, 336 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Bulgarischen von Alexander Sitzmann. Der Erzähler von Georgi Gospodinovs zweitem Roman leidet an übergroßer Empathie: er kann und muss sich in alles und jeden einfühlen und erlebt dann, was diese anderen erleben - ob das nun sein Großvater am Beginn des 20. Jahrhunderts war, der kleine in ein Labyrinth weggesperrte Minotauros oder eine Schnecke, die gerade verschluckt wird. Aber auch, dass die Zeit unwiederbringlich vergeht, macht ihm zu schaffen; und er geht mit Zeitkapseln dagegen vor: Behälter, in die alles hineinkommt, was für die Gegenwart wichtig ist. Aber was ist wichtig? Aus zahlreichen kurzen poetischen Kapiteln komponiert Gospodinov einen melancholischen Roman, der - wie oft bei Melancholikern - amüsiert und überrascht, und unterstreicht damit nachhaltig seinen weltliterarischen Rang.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2014

Für Andreas Breitenstein ist dieser Autor ein Literatur- und Weltretter, da er sich tollkühn fabulierend über Kommerz und Konvention erhebt. Wie der Bulgare Georgi Gospodinow mit diesem Roman die literarische Landkarte nach Osten erweitert, indem er seinen Erzähler die Wahrheit der eigenen Jugend gegen den Verrat an der Geschichte in Schutz nehmen lässt, hat Breitenstein beeindruckt. Die Verwendung des Minotaurus-Mythos als Metapher für eine unwirkliche bulgarische Wirklichkeit scheint ihm genial gewählt, das Erzählen hier selbst wundersam labyrinthisch und den absurden Lebenswelten des Realsozialismus angemessen. Dafür, dass das Episodische und die Vielfalt der vorkommenden Textformen (vom Apercu bis zum Dokument) den Leser nicht überfordern, sorgen laut Rezensent Gospodinows Ironie und poetologische Selbstreflexion sowie die Fäden der Mythologie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2014

Mit viel Lob bespricht Rezensent Christopher Schmidt den Roman "Physik der Schwermut" des bulgarischen Autors Georgi Gospodinov. Als "ganz große europäische Telepathie-Literatur" würdigt der Kritiker den Roman, in dem Gospodinov anhand der Minotaurus-Sage die Familiengeschichte eines jungen Mannes erzählt, der abgeschottet von der Welt in der Souterrain-Wohnung seiner Eltern aufwächst. Schmidt entdeckt in dem großartigen Roman immer wieder Spiegelungen der politischen Situation Bulgariens, etwa wenn er im Hinblick auf den Aktionskünstler Christo schreibe, die Bulgaren seien bezüglich ihrer unaufgearbeiteten Vergangenheit ohnehin "Verpackungskünstler". Umso mehr würdigt er die Arbeit des Autors, der wie eine "Ein-Mann-Schwarmintelligenz" alles bisher verschwiegene Öffentliche und Private sammle und niederschreibe. Dass ihm dies auch noch wunderbar lyrisch und in brillanten Gedankengängen gelingt, ringt dem Rezensenten höchste Anerkennung ab.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2014

Sandra Kegel hat sich bereitweillig auf eine Reise in die Tiefe der bulgarischen Geschichte eingelassen. Bereut hat sie es nicht. Das liegt zum einen an Georgi Gospodinovs Experimentierfreude, die sich in diesem Roman darin zeigt, dass Absurdes und Einfaches dicht beieinander liegen und der Autor in seiner Erinnerung zwischen Zeiten und Orten wild hin- und herspringt (zeitlich etwa reicht der Text von 1917 bis heute). Zum anderen bietet der Autor der Rezensentin mit seiner Durchdringung von Tiefenschichten der Sprache und der Historie eine ganz eigene, lustvolle Lektüreerfahrung. Labyrinthisch nennt Kegel das, wenn die erzählte Generationengeschichte sich jenseits aller Linearität aufzulösen droht. Gerade dies scheint der Rezensentin durchaus realistisch.
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