Georgi Gospodinov

8 Minuten und 19 Sekunden

Erzählungen
Cover: 8 Minuten und 19 Sekunden
Droschl Verlag, Graz 2016
ISBN 9783854209485
Gebunden, 144 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Aus dem Bulgarischen von Alexander Sitzmann. In Georgi Gospodinovs Erzählungen begegnen wir hinterwäldlerischen Dorfbewohnern auf dem südlichen Balkan, einem Kind, das nacheinander verschiedene Väter adoptiert, einem Autor, der ganz Lissabon nach einer unbekannten Schönen absucht, und zahlreichen simplen oder auch raffinierten Ehebrüchen; einige Geschichten werfen Blicke in die kommunistische Vergangenheit des Landes und andere in die Zukunft der Menschheit. Wie in der Titelgeschichte die Zeit, die das Licht von der Sonne zur Erde braucht, gerade das bisschen Zeit ist, die der Autor dem Leser zur Lektüre des Textes einräumt, so lauern in vielen Texten Gospodinovs Weltuntergangsgedanken, Sorgen und Trauer um die Unzuverlässigkeit der Menschen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.05.2016

Insa Wilke feiert vor allem eine der hier versammelten Erzählungen des bulgarischen Autors Georgi Gospodinov. "Das Ritual", ein Text, der laut Wilke gekonnt zwischen Literatur und Leben vermittelt, sticht für sie klar heraus durch Klugheit, Witz und genaues Gefühl. Ein Meisterstück inmitten von Etüden, findet sie. Den altmodischen, an "Empathie und Trost" orientierten Literaturbegriff des Autors als selbstgenügsam kann Wilke augenzwinkernd akzeptieren. In den anderen Texten lernt sie das Lebensgefühl der Krise in Parabeln kennen. Fingerübungen von der Rückseite der A-Seite der Geschichten, meint sie. Lauter Ursituationen der Literatur, verpasste Gelegenheiten, Begegnungen, Deja-vus, gruppiert um das Herzstück des Bandes.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.05.2016

Georgi Gospodinov ist so etwas wie der "Souverän unter den Erzähl-Anarchos", stellt Rezensent Konstantin Ulmer von Elling den bulgarischen Autor vor. Anlass für den Bruch mit dem Alltag ist im Erzählband "8 Minuten und 19 Sekunden" die nahende Apokalypse, so der Rezensent: der Titel beziffert eben jene Zeitspanne, die das Licht von der Sonne zur Erde braucht - und damit auch die Frist, die uns nach ihrem Erlöschen noch bleibt, erklärt er. "Apokalypsen haben nur selten ein Happy End", aber Gospodinovs Geschichten haben allesamt einen tröstlichen Kern, lobt der Rezensent. Und wenn er nur im trotzigen Festhalten an scheinbar sinnlosen Ritualen angesichts des Endes liegt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2016

Exakt "8 Minuten und 19 Sekunden" braucht das Licht von der Sonne bis zur Erde, klärt Rezensentin Sandra Kegel auf. Länger braucht auch die Lektüre der einzelnen hier versammelten neunzehn Erzählungen des bulgarischen Autors Georgi Gospodinov nicht, fügt die Kritikerin hinzu und verspricht: Jede Sekunde lohnt sich. Denn kaum jemand  vermag so humorvoll, experimentierfreudig und gleichzeitig so verzweifelt von Apokalypsen zu erzählen wie Gospodinov, versichert Kegel, die hier von großen, aber auch kleinen privaten Tragödien liest. Wie "geöffnete Zeitkapseln" erscheinen der Rezensentin diese Geschichten, die ihr nicht selten melancholisch-absurde Einblicke in die Geschichte Bulgariens eröffnen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2016

Selten hat Jörg Plath so kurzweilige und vergnügliche Apokalypsen erlebt wie in Georgi Gospodinovs Erzählband "8 Minuten und 19 Sekunden". Gospodinov, den der Kritiker aus dessen Romanen als Meister der Verschlingung von Kunst und Leben durch Ironie, Witz und Mitgefühl kennt und schätzt, beherrscht auch die Kunst der Miniaturgeschichte, versichert der Rezensent. Ganz gleich, ob Gospodinov von einem Waisen erzählt, der zunächst einen Baum, dann Stalin und schließlich einen Hund als Vater "adoptiert", um sie alle nacheinander zu verlieren oder das Erlischen der Sonne aus den Augen eines Experten für Sonnenuntergänge schildert - immer gelingt es dem Autor schreibend die Endlichkeit zu umgehen, verspricht der Kritiker, dem dieser Band ausgesprochen gut gefallen hat.
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