Aus dem Amerikanischen von Matthias Müller. Storys über ein Utopia der anderen Art. In George Saunders schöner neuer Welt kaufen Eltern ihren Babys computergesteuerte Sprachmasken, damit sie sich mit ihnen unterhalten können, noch bevor diese ihre ersten Worte gelernt haben. Hologramme mit individualisierten Werbebotschaften verfolgen ahnungslose Spaziergänger. Kinder werden in Trainingslagern zu Trendscouts ausgebildet, und in Realityshows verspeisen Kandidaten nichts ahnend die eigene Mutter...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2012
Am besten gefällt der Autor dem Rezensenten, wenn er die stillen, bedächtigen und realistischen Töne anschlägt und Brüche zulässt. Leider ist das nicht allzu oft der Fall in dieser Geschichtensammlung von George Saunders. Der Autor hat sich laut Oliver Jungen vor allem auf die Fahnen geschrieben, das Bush-Amerika noch einmal tüchtig durch den Kakao zu ziehen. Nicht dass es das nicht verdient hätte, aber Jungen scheint der Stich ins Surreale in diesen Storys häufig allzu prominent. Wenn er Präventivgewalt und Paranoia persifliert, klingt das Jungen wie pubertär überkandidelter Orwell.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.06.2012
Anders als lesend würde Rezensentin Angela Schader die Welt von George Saunders' Storys lieber nicht betreten. Für Schader ein Qualitätsbeweis. Obgleich Saunders keine Märchen erzählt, sondern untergründige Gegenwart und schrill überkandidelte Zukunft als dicke Persiflage, kann Schader seinen Geschichten, denen sie übrigens keinen sehr langen Atem attestiert, weshalb ihr die Form gut gewählt scheint, etwas abgewinnen. Ein mögliches Problem des Lesers verschweigt sie allerdings auch nicht: Saunders stattet seine Gestalten mit genau jenen Gefühlswelten und Denkmustern aus, die er eigentlich kritisieren möchte, Materie und Message sind eins.
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