George Saunders

Fuchs 8

Cover: Fuchs 8
Luchterhand Literaturverlag, München 2019
ISBN 9783630876207
Gebunden, 56 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Chelsea Cardinal und Frank Heibert. Mit 26 farbigen Illustrationen. Fuchs 8 war immer schon neugierig und ein bisschen anders als die anderen Füchse seiner Gruppe. So hat er die menschliche Sprache gelernt, weil er sich gern in den Büschen vor den Häusern versteckte und zuhörte, wenn die Menschen ihren Kindern Gutenachtgeschichten vorlasen. Die Macht der Worte und Geschichten befeuert seine Neugier auf diese Wesen, bis Gefahr am Horizont auftaucht: Der Bau eines riesigen Einkaufszentrums zerstört den Wald, in dem die Füchse leben, und sie finden kaum noch Nahrung. Dem stets belächelten Tagträumer Fuchs 8 bleibt nur eines: Er beschließt, seine Fuchsfamilie zu retten, und macht sich auf den Weg zu den Menschen …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2020

Hinter George Saunders "Fuchs 8" verblasst sogar Goethes "Reineke Fuchs", findet Rezensent Oliver Jungen. Das "ausgefabelte Antimärchen" beschreibt, wie die Füchse aus Verzweiflung über die Zerstörung ihres Lebensraums auf die Menschen zugehen und von ihnen schmerzlich im Stich gelassen werden, erzählt der begeisterte Kritiker. Selten hat er ein Buch gelesen, das so gekonnt mit dem Naiven umzugehen versteht und dennoch so aufrüttelnd ist. Die Übersetzung von Frank Heibert hat ihn ebenfalls zutiefst beeindruckt. Den Rat dieser Füchse sollten wir unbedingt beherzigen, meint Jungen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.12.2019

Cornelia Geißler ist gerührt von George Saunders' Fuchsgeschichte. So sehr, dass sie einen Brief an den fuchsigen Erzähler schreibt, ihm dankt für ein Buch, das nur scheinbar für Kinder gemacht, in Wirklichkeit aber Erwachsene ebenso bezaubert. Oder sollte man sagen aufstört? Was der Fuchs berichtet über seine bedrohte Lebenswelt und was er sich von den Menschen so ablauscht mit dem Willen, ihre Sprache zu lernen, findet Geißler ergreifend. Dass die Rechtschreibung dem Fuchs noch nicht so geläufig ist, findet sie verzeihlich, zumal der Übersetzer Frank Heibert sich alle Mühe gibt, den richtigen Ton zu treffen, wie Geißler feststellt. Lustige Wörter und traurige Tatsachen, eine Mischung, die der Rezensentin ans Herz geht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.12.2019

Rezensent Daniel Haas schließt sich den überschwänglichen Kritiken seiner Kollegen an. Wenn ihm der titelgebende Fuchs in George Saunders Fabel große Themen der Menschheit ausbreitet und in gebrochenem "Mänschisch" über Tod, Zerstörung, Klimakatastrophe und politische Verantwortung sinniert, findet Haas das so erhellend wie "linguistisch verwegen". Eine solche Mahnung in Briefform, die zudem von Frank Heibert brillant ins Deutsche übertragen wurde, nimmt der Rezensent gern an.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.2019

Hannes Vollmuth sieht George Saunders' Roman in der Tradition der Fuchsdichtung seit Goethes "Reineke Fuchs". Nur dass Saunders viel verstörender und lustiger ist, versichert Vollmuth. Wie ein Fuchs, oder im Buch Fuks, die Menschen erlebt, ihre Sprache und ihre Konsumgewohnheiten, und wie er das in einem Brief an die Menschen darlegt, das liest sich für den Rezensenten anrührend. Der Sinn einer solchen Verwandlung und erzählerischen Innnovationsfreude besteht für Vollmuth, und das gilt auch für frühere Texte des Autors, im Heraufbeschwören von "Empathie mit den Kreaturen". Das gelingt im Text laut Vollmuth spielerisch, ohne "moralisches Fazit" und unter Mitarbeit der "treffenden" Übersetzung von Frank Heibert.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 16.11.2019

Rezensent Wieland Freund kennt George Saunders überschäumenden Einfallsreichtum und hat sich entsprechend nicht gewundert, dass er in seinem neuesten Buch einen Fuchs zu Wort kommen lässt, der den Menschen vor einem Fenster so lange zugehört hat, bis er "zimlich gut Mänschisch versteen konnte", auch wenn er es mit dem "Buchstabiren" noch nicht so hat. Aus dieser Idee ist dem faszinierten Kritiker zufolge eine Art auf den Kopf gestellte Fabel entstanden, denn der Fuchs erzählt in naivem Gestus von den gerissenen Menschen, die seinen Lebensrum zerstören, um eine "Mool" zu bauen. Der kindliche Ton steht laut Freund im krassen Gegensatz zu der Dramatik der Geschichte, die - anders als in Kindergeschichten - nicht aufgelöst wird.