Hans Joachim Schädlich

Gib ihm Sprache

Leben und Tod des Dichters Aesop
Cover: Gib ihm Sprache
Rowohlt Verlag, Reinbek 1999
ISBN 9783498063399
Gebunden, 91 Seiten, 14,32 EUR

Klappentext

"Äsop war zahnlos, seine Rede kaum verstehbar. Äsop schielte. Er reckte den Kopf vor. Seine Nase war platt, seine Haut schmutzfarben." So beginnt Schädlichs Nacherzählung des anonymen griechischen Äsop-Romans, überliefert in einer Handschrift aus dem 10. Jahrhundert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.04.2000

Im Grunde gibt Stephan Krass gar keine Einschätzung über Schädlichs Buch, er erzählt nur noch mal die Geschichte des "krummbeinigen Sklaven" Äsop, dem von einer Göttin die Sprache geschenkt wird - aber er tut es so lebendig, dass man daraus auf ein großes Vergnügen an der Lektüre schließen muss. Wie Äsop die Philosophen mit seinen "Wortspaltereien" narrte, wie er seine Fabeln erfand, wie er sich schließlich in Delphi "um Kopf und Kragen" redete und selbst sprang, bevor sie ihn vom Felsen stoßen konnten - all das hat Krass in Schädlichs "eindringlicher Nacherzählung" neu gelesen und bedacht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.1999

Eine ärgerliche Rezension. Ernest Wichner weiß eine ganze Menge über Äsops Fabeln, ihre Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte, aber er reiht dieses Wissen einfalls- und lieblos aneinander. Schädlichs Nacherzählung mag ihn beeindruckt haben, inspiriert hat sie ihn nicht. In seiner Besprechung erzählt er nur die Nacherzählung nach. Kein Wort verliert er darüber, was das Faszinierende an den Fabeln, an Äsops Leben sein könnte, was ihn begeistert, gefesselt oder irrtiert haben könnte. Stattdessen nur Zitate: Was Äsop erzählt hat, was Schädlich geschrieben hat, was Lessing zu Äsop gesagt. Und so weiter.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999

Kurt Flasch zählt das kurze Buch in der FAZ begeistert "zu den großen Büchern dieses Herbstes". Schädlich durchleuchte anhand der deftigen Geschichten Aesops Leben, Mythologie und philosophischen Hintergrund des Goldenen Zeitalters (6. Jahrhundert vor Christus) der Antike, ohne sie zu kommentieren. So wird man beim Lesen klüger und darf sich doch eine eigene Meinung bilden. Vor allem jedoch lobt Flasch die unprätentiöse, ungemein bewegliche, reine Sprache des Autors, die auf jeden "gelehrten Dekor" verzichte. Schädlich präsentiere "eine Antike ohne Patina".
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