Gegenstand des vorliegenden Werkes ist das Schicksal der Kriegsgefangenen der Mittelmächte in Russland im Ersten Weltkrieg. Zur Erforschung dieses Themas wurden in erster Linie Erlebnisberichte ehemaliger Gefangener und erst seit kurzem zugängliche russische Archivdokumente herangezogen. Die kriegsgefangenen Mannschaften machten nach den schrecklichen Flecktyphus-Epidemien der Winter 1914/15 und 1915/16 sehr unterschiedliche Erfahrungen an ihren Arbeitsplätzen. Die einen litten große Entbehrungen, die anderen kamen im Land ihrer Internierung zu Wohlstand und heirateten einheimische Frauen. Auffallend ist, dass die deutlichsten Klagen über Leiden von gefangenen Offizieren stammen, die eine privilegierte Stellung innehatten und von der Arbeitspflicht befreit waren. Der Vergleich der Erlebnisberichte mit dem Bild, das sich aus den russischen, aber auch deutschsprachigen Archivalien ergibt, zeigt, dass die Heimkehrermemoiren die Schrecken der Gefangenschaft oft übertreiben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2006
Nicht immer leserfreundlich geschrieben ist sie, ansonsten hat Michael Epkenhans an Georg Wurzers erschöpfender Studie über die Kriegsgefangenen der Mittelmächte, die im Ersten Weltkrieg nach Russland deportiert wurden, nichts zu bemängeln. Alle Aspekte, von der Gefangennahme über die Lagerarbeit bis hin zu der sich teilweise bis in die zwanziger Jahre hinziehenden Rückkehr findet der Rezensent abgedeckt. So erfährt er, dass annähernd vierzig Prozent die Gefangenschaft nicht überlebten, die Zustände in manchen Lagern grauenhaft waren und die Offiziere ihre Privilegien auch nach der Russischen Revolution beibehielten. Wurzers Bemühen um Ausgewogenheit wird positiv vermerkt, auch wenn Epkenhans die Bemerkung des Autors, das zaristische Zarenreich hätte seine Gefangenen im Gegensatz zu Stalin und Hitler "mustergültig" behandelt, dann doch etwas zu weit geht.
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