Paul Zsolnay Verlag, Wien 2026
ISBN
9783552076143 Gebunden, 288 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing. Der Fingerabdruck ist der Inbegriff persönlicher Identität. Seine Geschichte ist eine von Magiern, Detektiven, Wissenschaftlerinnen, Genies, Scharlatanen und Handleserinnen. In seinem Buch umkreist Geertjan de Vugt die sozialen, philosophischen, kunsthistorischen und existenziellen Themen rund um den Fingerabdruck und bewegt sich dabei zwischen Fakten und Erzählungen. Er erzählt von dem böhmischen Mediziner, der sich als Erster eingehend mit dem Fingerabdruck beschäftigt hat, und davon, wie er für Verträge und in der Kriminologie interessant wurde. Aber auch von jener Ärztin, die aus Virginia Woolfs Fingern gelesen haben wollte: "Ich glaube, Virginia Woolf ist gestört."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2026
Rezensent Peter Rawert verspürt nach der Lektüre dieses Buches über Fingerabdrücke den Drang, seine eigenen Fingerkuppen zu betrachten. Der niederländische Journalist Geertjan de Vugt nähert sich dem Thema in neun Essays, die jeweils einen Menschen ins Zentrum stellen, in dessen Leben Fingerabdrücke eine Rolle spielen. Ausgerechnet die Kriminalistik kommt dabei kaum vor, eher wandelt de Vugt auf den "Seitenpfaden und Irrwegen der Daktyloskopie", etwa wenn er sich mit dem Mediziner Jan Evangelista Purkyně beschäftigt, der sich bereits im frühen 19. Jahrhundert mit Papillarlinien auseinandersetzte, oder mit dem Eugeniker Francis Galton, der aus Fingerabdrücken Rassenunterschiede herauslesen wollte - und damit grandios scheiterte. Überhaupt stellt de Vugt den Fingerabdruck als ein gewissermaßen neutrales Klassifizierungssystem vor, das von sozialen Stereotypen abstrahiert. Neben wissenschaftlichen kommen auch künstlerische Aspekte zur Sprache, unter anderem beschäftigt sich der Autor mit Virginia Woolfs Faszination für Fingerabdrücke. Recht ausführlich sind manche Kapitel geraten, moniert Rawert, der das Buch dennoch mit viel Gewinn gelesen hat. "Reste von Individualität", lernt der Rezensent, sind im Fingerabdruck gespeichert, das findet er tröstlich.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2026
Ein erstaunliches, originelles Buch hat Geertjan de Vugt laut Rezensent Paul Jandl geschrieben. Es geht um Fingerabdrücke, beziehungsweise darum, was es bedeutet, dass jeder oder zumindest fast jeder Mensch einen individuellen, einzigartigen hat (weltweit gibt es wohl nur vier Familien, die stattdessen eine ganz glatte Fingerkuppe haben, liest der Kritiker staunend). In neun Essays nähert sich der Autor dem Phänomen, es geht unter anderem um den obskuren Physiologen Jan Evangelista Puryke, der sich auf bisweilen esoterische Körperbeobachtungen spezialisierte und mit Drogen experimentierte, um seinen Körper zu beobachten. Überhaupt gibt es im Buch ein Nahverhältnis von Wissenschaftlichkeit und Fantasma, erklärt der Kritiker. Außerdem führen die Spuren, die de Vugt verfolgt, zu kolonialen Praktiken, zur Kriminologie des 19. Jahrhunderts und zu einer kuriosen Berliner Handleserin, die im Kreise der Surrealisten um André Breton ihre Kunst ausübte (und unter anderem Virginia Woolf eine psychische Störung diagnostizierte). Nicht ganz glücklich wird Jandl mit dem ein wenig angestrengt erzählerischen Stil des Buches, inhaltlich kommt der faszinierte Rezensent aber durchaus auf seine Kosten.
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