Sabine Doering-Manteuffel

Das Okkulte

Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung. Von Gutenberg bis zum World Wide Web
Cover: Das Okkulte
Siedler Verlag, München 2008
ISBN 9783886808885
Gebunden, 352 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Okkultismus das ist die Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von neuheidnischen, esoterischen und theosophischen Strömungen, die die Menschen berühren, bewegen, bedrohen. Insbesondere seit dem an Druckerzeugnissen so reichen 18. Jahrhundert erlebt das Okkulte eine Popularität, die bis heute ungebrochen ist. Die Ethnologin Sabine Doering-Manteuffel erzählt die Geschichte des modernen Okkultismus vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.06.2008

Oliver Pfohlmann staunt nicht schlecht über die Parallelen, die Sabine Doering-Manteuffels historische Untersuchung zutage fördert. Die versammelten Fallgeschichten präsentieren ihm ein Bild der Massenmedien als Förderer des Obskurantismus, gestern wie heute. Im vorliegenden Massenmedium Buch wird Pfohlmann allerdings kurzweilig aufgeklärt. Über vergangene Sozialordnungen, in denen vor allem die gebildeten Schichten als Publikum für Wunderheiler und Wahrsager in Erscheinung treten, und über frühe Mittel der Verbreitung okkulter Sensationen (Flugblätter, Zeitungen). Wenn die Autorin sich der Gegenwart zuwendet und das Internet provokant als antiaufklärerisches Teufelswerk darstellt, hat Pfohlmann Zweifel: Lässt nicht vielleicht das Netz mit seinen user-basierten Kontrollmechanismen das Licht der Aufklärung heller leuchten und dunkelt dadurch die Schatten des Obskurantismus nur stärker ein?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.04.2008

Tilman Allert preist Sabine Doering-Manteuffels Studie des Okkulten von den Zeiten des Buchdrucks bis in die Gegenwart als fesselnd dargestelltes und brillant geschriebenes Meisterstück. Darin untersucht die Autorin, Kulturhistorikerin und Ethnologin in Augsburg, Formen des Aberglaubens, der - so ihre These - nicht etwa das Gegenteil, sondern die "Kehrseite" der Aufklärung darstelle, erklärt der Rezensent. Besonders interessant und erhellend findet Allert das Kapitel über die Alchimie, denn hier bestünden wissenschaftliches und esoterisches Denken parallel nebeneinander. Dabei geht es Doering-Manteuffel nicht um einen sozialgeschichtlichen, sondern um einen phänomenologischen Zugang zum esoterischen Denken, weshalb sie sich in den acht Kapiteln des Buches bei der Frage nach den Ursachen für die Entstehung esoterischer Welterklärungsversuche auch auf die Pest und den Buchdruck als zwei Eckpunkte beschränkt, so Allert einverstanden. "Originell" erscheinen ihm schließlich die Überlegungen der Autorin zum Internet, allerdings kommt es ihm ein bisschen so vor, als malte sie hier den Teufel an die Wand, wenn sie das World Wide Web als "okkulte Struktur" interpretiert. An dieser Stelle empfiehlt der ansonsten durchaus beeindruckte und begeisterte Rezensent dann doch mehr "Gelassenheit".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2008

Einen Glücksfall erblickt Michael Jeismann in dieser glänzenden Geschichte des Okkulten, die die Ethnologin Sabine Doering-Manteuffel vorgelegt hat. Beeindruckt hat ihn nicht nur das umfassende Quellenstudium, das neben der Gattung okkultistischer Anleitungen auch Kunst, Literatur und Wissenschaften einbezieht, sondern auch die ebenso kenntnisreiche wie ansprechende Behandlung des Themas. Doering-Manteuffels Darstellung reicht dabei von der Genese des modernen Okkultismus im 12. Jahrhundert über Erscheinungen des Okkulten im Mittelalter bis zur völkisch-esoterischen Mythologie des 20. Jahrhunderts und der weiten Verbreitung von Okkultismus im World Wide Web. Deutlich wird in Jeismanns Augen, wie das Okkulute der Aufklärung stets als Schatten folgt und das Bedürfnis danach entsprechend zur zunehmenden Durchrationalisierung der Welt wächst. Sein Fazit: ein "großer Wurf."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008

Rezensent Lothar Müller hat Sabine Doering-Manteuffels Studie über die mediale Verbreitung des Aberglaubens seit der Erfindung des Buchdrucks mit Interesse verfolgt, kann sich aber nicht mit allen Teilen des Buches gleichermaßen anfreunden. Die Hauptthese der Professorin für Europäische Ethnologie, dass Aberglaube durch die zunehmende Alphabetisierung und durch die Entwicklung weitreichender Medien mindestens so sehr gestärkt wie ausgeräumt wurde, überzeugt den Rezensenten ohne weiteres. So hat er mit Gewinn das als etwas knapp beurteilte erste Kapitel über die Verbreitung der aus dem Arabischen stammenden Alchemie, den Abschnitt über den Buchdruck als Verbreitungsmedium okkulten Wissens und über Aberglaube und seine Bekämpfung in der Aufklärung gelesen. Enttäuschend dagegen findet Müller, dass die Autorin die Vorliebe der Moderne für Okkultes ausspart und auch den Zusammenhang von Aberglauben mit technischen Neuerungen wie Röntgenstrahlen oder Radioaktivität nicht untersucht. Wenn Doering-Manteuffel sich mit Einzelphänomenen wie den englischen Kornkreisen und ihren historischen Hintergründen befasst, ist ihr die Sympathie des Rezensenten sicher; dessen Interesse schwächelt immer dann, wenn sich die Autorin gegen die Gegenstände ihres Buches wendet und beispielsweise die Internet-Enzyklopädie "Wikipedia" als "okkultistisches Medium" schmäht.
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